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Ihr Job: JAM! Übersetzerin

Schlagworte:
Gebärdensprache,
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© Clara Belz

Clara Belz ist 19 Jahre und waschechte Berlinerin. Seit ihrer frühen Kindheit gehörlos, besucht sie heute die Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule, eine Regelschule, und wird dort 2017 ihr Abi machen. Clara liebt Bücher, Kultur und ist politisch in Sachen Umwelt und Soziales sehr aktiv: Zurzeit engagiert sie sich in der „AG Inklusion“ bei den Grünen. Ihr Berufsziel ist es, „in jedem Fall irgendetwas mit Politik und Bildung“ zu machen.

JAM!: Du übersetzt unsere Sendung zusammen mit dem staatlich anerkannten Gebärdensprachdozenten Andreas Costrau in Gebärdensprache. Was ist Gebärdensprache eigentlich?

Clara: Die Gebärdensprache ist total anders als die gesprochene Sprache. Sie wird mit Händen gesprochen und mit Gesten ausgedrückt. Das heißt, dass wir visuell die Hände wahrnehmen, die eine Sprache darstellen. Sie hat auch eine andere Grammatik, zum Beispiel: „Du Ball holst.“ Hier seht ihr, dass die Verben immer an der letzten Stelle stehen. Manche Menschen sehen darin eine Sprache, die man nicht versteht. Ich kann es einfach nicht beschreiben, es ist einfach anders. Stellt euch vor, wenn ihr etwas mit der Stimme betont, das drücken wir mit Mimik aus.

Wie können wir uns diesen Übersetzungs-Job vorstellen?

Wenn ich die Sendung in Gebärdensprache übersetze, versuche ich, visuell zu übermitteln, was darin gesagt wird, und das wird dann für Gehörlose leichter zugänglich sein.

Wann hast du die Gebärdensprache gelernt?

Ich habe die Gebärdensprache erst in der Vorschule mit zwei Jahren gelernt, vorher gab es nur einige Gebärden, die ich mir ausgedacht hatte. Meine Mutter erlernte auch die Gebärdensprache. Bei mir wurde die Gehörlosigkeit mit drei Monaten festgestellt. Damals gab es aber keinen richtigen Gebärdensprachunterricht, weil es keine offizielle Gebärdensprache gab. Es war also eine schwierige Zeit für die Familie. Die Gebärdensprache wurde erst 2001/2002 anerkannt.

© Karen Kuhlmann

Clara als Kinderbetreuerin in Duderstadt. Sie übersetzt gehörlosen Kindern ein Buch, das von einem Piratenmädchen handelt, in Gebärdensprache.

Wie kommunizierst du zu Hause oder in der Schule?

In meiner Familie können fast alle die Gebärdensprache, also die enge Verwandtschaft. Von meinen Geschwistern können einige gebärden, andere nicht, weil wir nicht alle gemeinsam aufgewachsen sind. Mit meinen Freundinnen unterhalte ich mich in der Freizeit in Gebärdensprache, aber ich habe auch hörende Freunde, die noch nicht gebärden können, das aber unbedingt lernen wollen. Mit denen unterhalte ich mich in der Schriftsprache und mit Händen und Füßen.

Wenn ich in der Schule bin, ist die Gebärdensprache dort nicht präsent, denn ich besuche seit 2013 eine Regelschule. Auf dem Schulhof erfolgt die Schriftsprache aufm Handy, weil die Mitschüler noch keine Gebärdensprache können. Zudem unterhalten wir uns alle mit Augenrollen, Mimik und Gesten. Das klappt bisher ganz gut. Trotzdem möchten einige Klassenkameradinnen die Gebärdensprache unbedingt erlernen, das finde ich sehr schön. Ich habe sie nicht dazu gedrängt, es ging allein von ihnen aus. Ansonsten unterhalte ich mich über E-Mails, und bei JAM! in Gebärdensprache.

Claras Lieblingszitat

Mir imponieren nur die Ratschläge und Grundsätze, die der Ratgebende selbst beherzigt.
(Rosa Luxemburg)
 

Worauf freust du dich bei JAM!?

Ich freue mich auf die netten KollegInnen, und das tolle Team. Und natürlich auf die Erfahrungen, die ich ab jetzt sammele. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

Was begeistert dich sonst?

Mich begeistern die neue Bücher, die gerade erschienen sind, ich würde sie gerne alle lesen, und mich begeistert die Kulturvielfalt in Berlin und mich begeistert die JAM!-Sendung natürlich auch :) . Ich mag Sprachen, derzeit lerne ich Finnisch. Das ist ganz schön schwer, mir macht es Spaß mich der Herausforderungen zu stellen.


Interview: Miriam Moser