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Schule der Zukunft: Leben in der Bude

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Jugendbeirat

Bereitet uns die Schule gut aufs Leben vor? Sorina und Max vom JAM!-Jugendbeirat haben dazu einem Bildungsexperten auf den Zahn gefühlt. Wie kann man Schule verändern? Barrierefrei machen? Darauf antwortet Karl-Heinz Imhäuser. Er hat selbst als Lehrer gearbeitet und setzt sich heute für Inklusion ein.

Auf diese Kärtchen sind Wünsche für die Zukunft notiert – eine der Aktionen des Jugendbeirats, mit der sie auch auf dem Jugendkongress unterwegs waren.

Was könnte Schule für junge Menschen und die Gesellschaft zukünftig bedeuten?

Mit der Schule wie sie heute ist, ist keiner der Gesprächspartner so ganz zufrieden. Karl-Heinz Imhäuser begreift Schule auch als einen Ort des Lebens. Auch einen Ort, and dem wir verstehen, dass wir verschieden sind und nur im Austausch voneinander lernen. "Das Begreifen von Vielfalt, Kompetenzen, Begabungen und Beeinträchtigungen macht diesen Ort Schule aus." Als Ort muss Schule also nicht abgeschafft werden, aber perfekt ist er noch lange nicht.

Wie soll solch ein integrativer Angebotsort dann aussehen?
 

Die Schule der Zukunft sollte ein Ort sein, wo von morgens bis abends Leben in der Bude ist.

"Ich würde in Zukunft statt von Schule lieber von einer inklusiven, ganztägigen Bildungseinrichtung sprechen", so Karl-Heinz Imhäuser. Sein Wunsch: Neben den klassischen Lerninhalten sollen verschiedene Träger Kultur-, Musik- und Sportangebote organisieren. Die dann nicht nur die Schüler, sondern alle Menschen aus der Nachbarschaft besuchen können. Schule der Zukunft - ein Melting-Pot,der das Veedel aufwertet? Klingt vielversprechend.

© Ayse Tasci-Steinebach, AM Bilddatenbank

Von links nach rechts: Sorina, Karl-Hein Imhäuser und Max im Interview im Bonner Kunstmuseum.

Was können wir konkret tun, um Schulen barrierefrei zu machen?

Karl-Heinz Imhäuser möchte eine "Barrierefreiheit jenseits der Behindertenrampe". Für ihn bedeutet das, auch endlich die Barrieren anzugehen, die beispielsweise durch Armut existieren. "Bislang gelingt es nämlich nicht, diese gesellschaftlichen Risiken aufzufangen". Bezogen auf eine gelungene Eingliederung von behinderten Schülern in Regelschulen, lautet die einfache und langjährig erprobte Devise des Lehrers: "Schlicht anfangen!" Der Clou daran ist Spaß zu haben es zu versuchen und in jeder Schule ein paar Leute zu finden, die mitmachen und es wagen wollen. Barrieren gibt es in Schulen viele. Also viel zu tun – für uns alle.

Kann Schule Vorbereitung auf den Beruf und das Leben sein?

"Schule kann nicht auf das ganze Leben vorbereiten. Das Leben ist so viel!", meint Karl-Heinz Imhäuser. Die Aufgabe der Schule allerdings eine gesellschaftliche: "Sie muss vorbereiten auf Demokratie, Zusammenleben mit Minderheiten und mit Menschen, die anders denken." Schule sollte zukünftig ermöglichen, Beteiligung im Kleinen zu erproben, um im Großen vorbereitet zu sein.


Die Gesprächsteilnehmer

Max Kreul

© Ayse Tasci-Steinebach, AM Bilddatenbank

17 Jahre, wohnt in Dortmund, Fachabitur am Hellweg Berufskolleg im Bereich Technik, arbeitet viel im JAM!-Jugendbeirat.

Dr. Karl-Heinz Imhäuser

© Ayse Tasci-Steinebach, Bilddatenbank AM

Vorstand der Montag Stiftung "Jugend und Gesellschaft", projektverantwortlich für die Bereiche Inklusion und neue Bildung, ehemaliger Lehrer.

Sorina Lungu

© Ayse Tasci-Steinebach, AM Bilddatenbank

15 Jahre, Schülerin in Erlensee, aktiv im JAM!-Jugendbeirat, und ist als Reportering u.a. für die Jugend-Zeitung JuliE unterwegs.