Poetry Slam mit Eisbärenmütze

Schlagworte:
Jugendbeirat,
Kreativität,
Selbermachen,
Engagement

Nur fünf Minuten, um der beste Poetry Slammer zu werden. Genauso viel Zeit hatte jeder Kandidat für seinen eigenen Text bei der U20 Poetry Slam Meisterschaft in Berlin. Mit mehr Zeit dabei war auch der Jugendbeirat und präsentierte sich rundum das Event mit eigenen Aktionen, Fragen und Diskussionen. Sorina berichtet von den Tagen in Berlin.

Ezgi, Paula, Yassin und Efrem vom JAM! Jugendbeirat in Aktion.

Langsam füllt es sich vor dem Grips-Theater in Berlin. Noch eine Stunde bis das Finale der diesjährigen u20 Poetry Slam Meisterschaften beginnt. Es herrscht eine chillige und doch angespannte Atmosphäre. Und mittendrin – der JAM! Jugendbeirat!!! Dieses Event wollen wir uns nicht entgehen lassen und mischen uns unters Volk.

Eine Wäscheleine voller Ideen

Wir haben natürlich auch eine Mission zu erfüllen. Als JAM! Jugendbeirat wollen wir uns für eine Welt mit weniger Barrieren in den Köpfen der Menschen stark machen und wir wollen erreichen, dass sich mehr Menschen Gedanken darüber machen, wie wir zusammenleben wollen. Deshalb sind wir mit einem Stand vor Ort, an dem sich die Besucher Informationen zum neuen Jugendportal JAM!, zum Thema Inklusion und Gesellschaft holen können.

Spannend ist unsere Aktion „Gesellschafts-Wäscheleine“... Dort können sich Leute mit einer Polaroid-Kamera ablichten lassen und mit einem Stift die Frage auf dem eigenen Foto beantworten: „In was für einer Gesellschaft möchtest DU leben?“ Die Fotos mit den Antworten hängen wir auf die Wäscheleine. "In einer Gesellschaft, in der jeder Mensch selbstbestimmt, frei und sicher lebt.“ oder „in einer Gesellschaft, die offenherzig ist und jedem Menschen eine Chance gibt.“ – das sind nur zwei der vielen gesammelten Antworten. Bei unserem Lippenlesequiz spielen wir den Teilnehmern ein Video vor, in dem Wörter in zwei verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausgesprochen werden. Schnell wird klar, es ist gar nicht so einfach, jemandem die Wörter von den Lippen abzulesen. An unserem Jutebeutel-Stand können sich die Besucher mit verschiedenen Schablonen, wie zum Beispiel unser JAM! Logo, Elefanten und individuelle Motive, einen eigenen Jutebeutel bemalen.

Aber wir begleiten nicht nur unsere eigenen Aktionen, sondern reden auch mit Slammern und mit Leuten aus dem Publikum. „Sollte eine Gesellschaft nicht jeden so akzeptieren wie er ist, ohne etwas von ihm zu verlangen?“ Viele spannende Fragen und Diskussionen entstanden, die vielleicht sogar die eine oder andere Ansichtsweise änderten.

Und beginnt das Finale... 

©Servicestelle Jugendbeteiligung e.V.

Zoe Hagen auf der Bühne. Links daneben die Gebärdendolmetscherin

Der Theatersaal ist total überfüllt. Manche sitzen auf dem Boden, andere auf der Tribüne. Doch die Stimmung ist super. Durch eine lockere Moderation fühlen sich alle direkt wohl. Die wird übrigens in Gebärdensprache übersetzt, so dass auch Gehörlose dem Geschehen gebannt folgen können.

Das Finale geht über zwei Runden mit jeweils fünf Personen. Verschiedener können die Texte der Kandidaten nicht sein. Angefangen beim Leben auf dem Land über Ninja-Geschichten bis hin zu einem Brief an die 13-Jährige Schwester ist alles dabei. Vielfalt macht’s! Normalerweise darf man bei einem Poetry-Slam nicht buhen, doch einer von den sieben Juroren im Publikum verteilt jedes Mal so niedrige Punkte, dass das Publikum ziemlich sauer wird. Doch denkt nicht, dass deshalb nicht mehr geklatscht wird. Bei einigen Zehner-Kandidaten vibriert sogar schon der Boden.


Was ist ein Poetry Slam?

  • Poetry Slam steht für künstlerische Freiheit und Vielfalt.
  • Bei einem Poetry Slam tragen verschiedene Leute einen selbstgedichteten Text vor.
  • Dabei dürfen sie keine Hilfsmittel benutzen, sondern müssen so auf die Bühne kommen, wie sie auch sonst rumlaufen. 
  • Der komplette Text muss selbstgeschrieben sein.
  • Der Slammer hat genau 5 Minuten Zeit. Danach wird abgebrochen.
  • Von 7 zufällig ausgewählten Personen aus dem Publikum wird direkt nach dem Auftritt bewertet.
  • Eins ist die niedrigste Punktzahl. Zehn die höchste. In jeder Runde werden jeweils die höchste und die niedrigste Punktzahl gestrichen. Dadurch kann man höchstens 50 Punkte erreichen.
  • Und die wichtigste Regel: Niemand wird ausgebuht.

Die letzten zwei Kandidaten sind besonders stark

Zoe Hagen: Ihr Text handelt von ihren Erlebnissen aus dem Bio-Laden, in dem sie arbeitet. Dabei nimmt sie uns alle und sich selber ziemlich auf den Arm mit Sätzen wie: „Wenn jemand im Rollstuhl sitzt, darf man ihn/sie nicht auslachen. Ich aber schon, nur weil ich schwarz bin.“ Zoes Final-Beitrag ansehen

Johannes Berger: Auch sein Beitrag ist witzig. Er erzählt von seinem Vater und stellt sich zum Beispiel die Frage, ob sein Vater wirklich eine Eisbärenmütze im Schrank hat, die er immer anzieht, um peinlich zu sein? Damit ist übrigens eine richtige Eisbärenmütze gemeint, nicht so eine wo nur ein Eisbär drauf gemalt ist! Johannes Final-Beitrag ansehen

Das komplette Finale der u20 Poetry Slam Meisterschaften in Berlin 2014 anschauen.

Es ist ein wirklich sehr lustiger Abend. Wir haben viele neue Kontakte geknüpft, viel diskutiert und wir haben interessante Thesen und Vorschläge sammeln können für unsere weitere Arbeit bei JAM!. Vielleicht wurde ein wenig das Schubladendenken ausgestellt, zumindest für diesen sehr gelungenen Abend.

Und nun bitte ein Trommelwirbel: The winner is Johannes! 


Sorina vom JAM! Jugendbeirat, hat zwar kein Gedicht für euch geschrieben, dafür aber von der u20 Poetry Slam Meisterschaft berichtet.