Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.

Inklusion

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Was ist schon normal? Gibt es überhaupt so etwas wie „unnormal“? Ein Ziel von Inklusion ist es, dass alle Menschen mit ihren individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften, ganz gleich, wen sie lieben, wo sie herkommen oder woran sie glauben, ganz selbstverständlich in der Gesellschaft zusammenleben. Es bedeutet auch noch etwas anderes als Integration; nämlich, dass alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit von Anfang an dazugehören. Anders ist normal. Damit dies gelingen kann, müssen Vorurteile abgebaut und Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass alle Menschen selbstverständlich an der Gesellschaft teilhaben können. Noch ist es in vielen Bereichen so, dass Menschen mit Behinderung getrennt von Menschen ohne Behinderung leben. Damit Inklusion immer besser gelingt, muss die Gesellschaft dafür sorgen, dass sich das ändert. Das bedeutet, dass alle in die gleichen Kindergärten und Schulen gehen können oder in den gleichen Firmen arbeiten. Dass alle die gleichen Chancen bekommen, zum Beispiel zu studieren oder aber Popstar zu werden (oder beides). Inklusion will eine Welt, in der es nichts Besonderes ist, auch einen Lehrer in der Klasse zu haben, der den Unterricht für gehörlose Kinder in Gebärden übersetzt. Oder einen Arzt, der kleinwüchsig ist. Damit eine solche Gesellschaft möglich ist, müssen jedoch zunächst eine Menge Barrieren überwunden werden. Auch jene in den Köpfen.

Barrierefreiheit

Barrieren sind die kleinen und großen Hindernisse, die sich einem in den Weg stellen. Einige kann man leicht überwinden, andere nicht. Manche sind sichtbar, andere zeigen sich nicht so leicht. Auch Unwissen und Angst können uns aufhalten, gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Menschen mit Behinderung passiert es im Alltag beispielsweise immer wieder, dass ihre Sichtweise nicht mitbedacht wurde. Stell dir zum Beispiel einen Konzertsaal vor, der nur über eine lange Treppe erreicht werden kann. Eine barrierefreie Location dagegen hat einen Aufzug oder eine Rampe, über die Menschen mit Gehbehinderung ohne Hilfe bei Konzerten dabei sein können (oder gleich Teil der Band sind!). Ein anderes Beispiel ist das Internet. Die meisten Internetseiten können nur von denen genutzt werden, die mit den Augen lesen. Mit einer barrierefreien Internetseite lässt sich der Text auch hören. Auch Leichte Sprache ist eine tolle Unterstützung: sie übersetzt komplexe Themen in einfache Erklärungen,  die alle verstehen. Frei zu sein von diesen Barrieren bedeutet Unabhängigkeit und damit auch die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Barrierefrei ist demnach etwas, das allen Menschen die Möglichkeit gibt, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Von vielen Maßnahmen, die zur Barrierefreiheit beitragen, haben alle etwas. Wenn Rollstuhlfahrer an einer barrierefreien Haltestelle ohne Probleme in die Bahn einsteigen können, dann gilt das auch für andere. Auch Fahrstühle werden von Eltern mit Kinderwagen oder vollbepackten "Shoppingqueens" gerne benutzt. Rampen machen ebenso Lieferanten das Leben leichter.

UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Die Vereinten Nationen sind ein weltweiter Zusammenschluss von zurzeit 193 Staaten aus allen Teilen der Erde. Wichtigstes Ziel der Organisation ist es, den Frieden zu sichern und Menschenrechte zu schützen, sowie neue Menschenrechte durchzusetzen. Im Grunde ist es DIE internationale Organisation, die für den Schutz, die Einhaltung und die Ausweitung von Menschenrechten steht. Um die Situation von Menschen mit Behinderung weltweit zu verbessern, wurde von den Vereinten Nationen im Dezember 2006 das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung verabschiedet. Das Übereinkommen, auch Konvention genannt, gilt seit 2009 auch in Deutschland. Es besteht aus 50 Artikeln, und jeder Artikel beinhaltet klare Forderungen, die das Leben von Menschen mit Behinderung erleichtern und verbessern sollen. Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben, verpflichten sich dazu, Menschen mit Behinderung ein Leben als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu ermöglichen. Das bedeutet, alle so zu akzeptieren und zu schätzen, wie sie sind - sowie Möglichkeiten für alle zu schaffen, aktiv an der Gemeinschaft teilzunehmen. Das gilt für viele Bereiche: gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung auf eine Schule zu gehen, zusammen an der Uni zu büffeln, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen, aber auch gemeinsam dem Lieblingsfußball-Club im Stadion zujubeln zu können. Also in allen Bereichen, in denen viele Menschen aufeinander treffen und die das gemeinsame Leben regeln, wahrgenommen zu werden und mitmischen zu dürfen. Zwar haben schon viele Staaten das Übereinkommen unterzeichnet, bis aber wirklich alle Punkte erfüllt sind, ist noch einiges zu tun.