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Ich glaube, ich bin ganz hübsch

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Schönheit,
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Anastasia Umrik macht Mode und mag Styling. Gerade liebt sie ihre neue Lederjacke – genau weil diese so schön unpraktisch im Rollstuhl ist. Und weil es meist ziemlich egal ist, was die anderen denken. Das hat sie für JAM! aufgeschrieben.

knallgrün/photocase.de

„Hihihi du bist ja pummelig! Und Pickel hast du auch! Hihihi!“

Solche Sätze habe ich bis zu meinem 16. Lebensjahr öfter gehört. Man sagt sowieso oft doofe Dinge, weil man mit sich selbst nicht umzugehen weiß, manchmal glaube ich, in der Pubertät noch mehr. „Die Anderen werden immer hübscher als ich sein“, dachte ich damals und zog mich immer mehr zurück. In der Zeit der großen Unsicherheiten weinte ich viel – weil ich mich so hässlich fühlte. Und dann war ich auch noch „die Behinderte“. Es war uncool, mit mir „abzuhängen“.

Viele Jahre später:

„Ey, guck mal, da ist 'ne stylische Rollstuhlfahrerin!“, sagt ein Mädel zu ihrer Freundin und beide beobachten mich aus der Ferne. Ich korrigiere meine Sonnenbrille auf der Nase und denke: „Hallo. Ich bin wieder da!“ An diesem sonnigen Tag trage ich schwarze Stiefeletten, eine blaue Röhrenjeans, einen mintgrünen Pullover, dazu eine überdimensionale goldene Kette und als i-Tüpfelchen meine Lieblingslederjacke in Dunkelgrau. Diese Lederjacke ist schwer anzuziehen, schwer auszuziehen und ich kann mich in ihr eigentlich kaum bewegen. Was tut man nicht alles für den Style? Ich liebe es!

„Guck mal, da ist 'ne stylische Rollstuhlfahrerin"

Ihr kennt das: Komplimente tun gut, sie beflügeln für den Rest des Tages. Ach was – je nach dem von wem sie kommen, beflügeln sie manchmal auch für die nächsten acht Tage! Ich ahne, dass, wenn ich dieses Outfit stehend tragen würde, mich vermutlich nur wenige bemerkt oder gar beachtet hätten. Ich wohne in Hamburg; hier sind viele schöne Menschen und sie alle sind modisch gekleidet. Hamburg ist die Stadt der Modelagenturen, der schönen Mädchen und der durchtrainierten Jungs. Mein Rollstuhl, der vermeintliche "Fehler" des Outfits, wird plötzlich zum positiven Aspekt und schenkt mir ein Alleinstellungsmerkmal. Ich bin hin und wieder sogar dankbar dafür, dass sich die Menschen an mich immer erinnern können, dass ich auffalle und meine Style-Begeisterung mit einem Kompliment oder Lächeln belohnt wird.

Cara Delevingnes Augenbrauen und eine Erkenntnis

Übrigens – ich bin nicht eines Tages aufgewacht, und habe gedacht: Alles ist super! Nach einem langen Prozess überkam mich die Erkenntnis, dass mein Busen immer klein und der Hintern "ganz okay" bleiben wird. Warum also sollte ich meine Energie und Zeit verschwenden mich zu verstecken, mich zu schämen oder zu verstellen? Ich habe lieber akzeptiert und angefangen zu leben. Und vor allem aufgehört: Schiss zu haben, ob mich irgendwer nicht so mögen könnte, wie ich bin. Und Schiss zu haben, etwas auszuprobieren.

Was ist schön? Was finde ich schön und was gefällt den anderen? Kann ich mit der Mode immer mithalten? Diese Fragen beschäftigen nicht nur uns, sondern auch viele andere. Es gibt wie immer viele Theorien, Gedanken, Tipps... Die Mode wandelt sich extrem mindestens alle zehn Jahre und es ist biologisch gar nicht möglich bei JEDEM Trend total dabei zu sein (sieht man auch in diesem Video). Beispiel: In den 90ern waren schmale Augenbrauen in, heute sind es eher die buschigen breiten Brauen à la Cara Delevingne. Beides kann man nicht haben, Mädels. Das ist Logik. Schönheit hat aber recht wenig mit Logik gemeinsam.
 

Jeder hat das Recht gut auszusehen

Schön sein bedeutet: Den eigenen Geschmack kennenlernen, erfahren, worin man sich am wohlsten fühlt. Es spielt dabei wirklich(!) gar keine Rolle, ob man eher der sportliche oder der elegante Typ ist. Das „Wohlfühlen“, das „Angekommensein“ spüren die Mitmenschen und es wirkt wie ein Magnet. Strahlende Augen, ein ehrliches Lächeln, positive Gedanken über sich selbst – das überträgt sich und hinterlässt Spuren.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Modeindustrie auch sitzende Menschen (oder Menschen, die einfach andere Ansprüche haben) als eine Zielgruppe wahrnimmt. Jeder hat das Recht gut auszusehen, gut gekleidet zu sein und für seinen Geschmack Komplimente zu bekommen. Und wisst ihr,

ich glaub' ich bin ganz hübsch.

 

privat

Text: Anastasia Umrik. Die 27-Jährige hat schon Modenschauen organisiert, macht unter InkluWas Shirts & Bags für alle und hat mit anderStark unterschiedliche Models vor die Kamera geholt.
 

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