Das erste Mal – ein Crowdfunding-Projekt starten

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Surfbrett-Finnen aus recyceltem Plastikmüll herstellen – geniale Idee, die Luise und Felix beim Surfen an vielen verschmutzten Spots hatten. Egal ob du eine Idee zum sozialen Engagement, zu inklusiven Projekten oder Umweltschutz hast – Crowfunding ist häufig eine gute Gelegenheit um diese finanzieren zu können. Auch Luise und Felix sammelten das Geld für ihre Vision, mit der sie die Surfwelt revolutionieren wollen, per Crowdfunding.

© Ewi Palaska

Surfen – damit assoziieren die meisten türkisfarbenes Wasser, meterhohe Wellen und haben Traumstrände vor Augen. Die Realität sieht oft anders aus: Alte Einkaufstüten, leere Plastikflaschen, da ein ausgelatschter Flip Flop, hier eine kaputte Dose und Verpackungsabfälle soweit das Auge reicht.

"Gerade zur Regenzeit ist es in Indonesien am Meer kaum zu ertragen. Dann ist dort überall Müll. Felix und ich sind jedes Mal geschockt, man ekelt sich und schämt sich beim Anblick der angeschwemmten Plastikmüllberge – weil es unser aller Vergehen ist. In Australien sehen die Strände zwar sehr sauber aus, aber oft täuscht der erste Eindruck. Wenn man genauer hinschaut, sieht man mikroskopisch kleine Plastikpartikel überall. Und dann fängt man an zu denken, was kann ich tun?“

Klar gab es auch Zweifel, aber die haben uns nur immer wieder darin bestärkt, unsere Idee durchzuziehen. 

Luise Grossmann, 31, und ihr Freund Felix Wunner, 32, sind leidenschaftliche Surfer und lieben das Meer. Zusammen folgen sie den Wellen um die Welt und paddeln dabei immer häufiger durch Plastikabfälle. "Es gibt so viel Plastikmüll in der Welt, dass wir kein neues Plastik herstellen sollten“, findet Luise, die technische BWL studiert hat. "Stattdessen sollten wir es recyceln und etwas Sinnvolles daraus machen.“ Und da hat sie die Idee: Den Müll aus dem Meer verwenden um Surfbrettfinnen daraus herzustellen (diese Heckflossen am Ende des Brettes).

"Natürlich muss so eine Idee erst mal umgesetzt werden. Viel Recherche und kritische Meinungen von Experten sind der Grundstein für Erfolg. Von der Idee waren viele so begeistert, dass sie uns auch ihre Hilfe angeboten haben. Das hat Felix und mich motiviert, die Idee weiterzuverfolgen. Außerdem wollten wir allen beweisen, dass Recycling bzw. Upcycling genauso hochwertige Produkte liefern kann wie konventionelle Herstellung. Klar gab es auch Zweifel, aber die haben uns nur immer wieder darin bestärkt, unsere Idee durchzuziehen. Der Weg des geringsten Widerstands war für uns noch nie eine Option.“

Und dann? Wie aus der Idee ein Projekt wird

Felix, der Ingenieur für Produktentwicklung ist, und schon länger an Finnen tüftelt, schätzt: "Etwa 50 Plastikflaschendeckel ergeben eine Finne!“ Doch ohne Kapital können die beiden Münchener die nachhaltige Finne nicht produzieren. Dafür brauchen sie umgerechnet 22.000 Euro. Minimum. Die wollen sie mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne finanzieren – und starten das Projekt "Five Ozeans“

Was ist und wie funktioniert Crowdfunding?

Für Crowdfunding (von englisch crowd für (Menschen-)Menge, und funding für Finanzierung) stellt man seine Idee auf einem Startup-Portal im Netz vor. Wenn es gut läuft, überzeugt man andere von seinem Vorhaben, sodass sie sich mit Geldbeträgen an der Sache beteiligen. Im Gegenzug bekommen die Unterstützer aber auch immer etwas für ihr Geld. Eine Plattform hierfür ist zum Beispiel Kickstarter.

"Egal wie gut die Idee ist, wenn es keiner weiß, ist niemandem geholfen. Darum sollte man schon vorher versuchen ein Publikum oder eine Plattform aufzubauen. Social media ist darum super wichtig. Facebook und Instagram, aber auch Twitter, weil dort viele unternehmerische Leute unterwegs sind. Wir haben die Crowdfunding-Kampagne auch als Markttest gesehen, da die Unterstützer als Gegenleistung die ecoFin vorbestellen konnten. Pressearbeit ist auch enorm wichtig. Uns haben dabei vor allem persönliche Kontakte und eine befreundete PR-Agentur geholfen.“ 

Jeder einzelne hat die Möglichkeit etwas zu ändern, und sei es nur das eigene Kaufverhalten.

Die beiden Umweltaktivisten wollen möglichst viele Menschen mit ihrer Idee begeistern. Gleichzeitig wollen sie auch das Ausmaß der globalen Ozeanverschmutzung zeigen. "Jeder einzelne hat die Möglichkeit etwas zu ändern, und sei es nur das eigene Kaufverhalten“, ist sich das Paar einig. Ihr Entschluss steht fest: Sie drehen einen Film – "Die Reise des Mülls“ und zeigen, wie sie Müll am Strand von Bali sammeln, wie er anschließend sortiert, verschifft und zu Kunststoff-Pellets verarbeitet wird – das Basismaterial der ecoFin. Die gesamte Infrastruktur nehmen sie unter die Lupe, erklären alle nötigen Arbeitsschritte, um aus wertlosem Plastik ein innovatives Produkt zu fertigen. 

Die Story wird von Surflegende Rusty Miller persönlich erzählt. "Es war ein großes Glück, dass Rusty Miller mitgewirkt hat. Er hilft uns wahnsinnig dabei das Projekt zu etablieren.“ Mit ihrer Doku im Gepäck tourten Luise und Felix dann durch Europa und Australien – Surferparadies und seit einigen Monaten neue Heimat von den beiden. Denn hier wird nun die ecoFin gefertigt. Luise und Felix können es manchmal selbst nicht glauben.

„Wir dachten, es wäre viel einfacher, weil wir soviel Zuspruch von allen Seiten bekommen haben. Dann ging es nur sehr zäh voran. Alles hat viel länger gedauert als wir dachten, obwohl wir so viele Sachen bei dem Projekt selber machen konnten wie Filmen, Fotografieren, die ganze Orga und dazu sogar die Unterstützung eines großartigen Teams hatten. So hart wie in der Zeit hat noch keiner von uns gearbeitet. Wir sind immer kritisch geblieben, haben alles bis ins letzte Detail durchdacht, denn Annahmen sind gefährlich – der Teufel liegt im Detail! "Am Ende waren wir total glücklich, als es geklappt hat. Jetzt produzieren wir nicht nur die ecoFin, sondern haben auch FiveOceans als eine eigene Marke und werden noch weitere Produkte aus recycelten Materialien herausbringen. Das Crowdfunding-Projekt hat sich für uns gelohnt!“

Infos zu sozialen Crowdfunding-Plattformen

Übersichtseite zu Crowdfunding-Plattformen, davon einige im sozialen Bereich.

Doing Better ist eine Community, die sich auf die Finanzierung sozialer Projekte spezialisiert hat.

VisionBakery hat mittlerweile über 700 Crowdfundern ihre Visionen finanziert. Spannende Projekte dabei – schaut mal rein.

 


Text: Anja Schimanke

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