Das erste Mal – programmieren und helfen

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Nicht nur reden, sondern konkret helfen – das ist es, was Karl, David und Roman wollen. Ihr Talent für digitale Daten haben die Schüler jetzt für eine gute Sache eingesetzt: Gemeinsam mit einem Team entwickeln sie "Germany Says Welcome“ – eine Webseite plus App, die Flüchtlingen den Start in Deutschland erleichtern sollen.

© Ewi Palaska

Wir haben überlegt, wie wir mit unseren technischen Fähigkeiten helfen können.

Eine Gruppe IT-verrückter Jugendlicher in einem Raum voller Computer, ein ganzes Wochenende lang – klar, dass die Stimmung ziemlich gut ist. Außerdem sehen sich Roman, Karl und David endlich wieder. Einmal im Monat treffen sich die Jungs zum Workshop in Köln, um in einem Team aus rund zehn Jugendlichen an dem Projekt "Germany Says Welcome“ ("Deutschland sagt willkommen“) zu arbeiten. Unterstützt werden sie dabei von fünf Mentoren und von der Fachstelle für Jugendmedienkultur. Um kein Treffen zu verpassen, nehmen die drei Jungs einiges auf sich: David, 17, ist aus Trier, Roman, 18, aus Berlin und Karl, 16, sogar aus Tel Aviv in Israel angereist, wo er zurzeit lebt. Jetzt wird zwei Tage lang programmiert, diskutiert und perfektioniert, damit ihre Plattform möglichst schnell einsatzbereit ist und geflüchteten Menschen helfen kann.

Roman: "Wir wollen, dass die Menschen gut ankommen. Sie sollen das Gefühl haben, dass wir für sie sorgen und dass ihnen hier geholfen wird. Deswegen haben wir überlegt, wie wir ihnen mit unseren technischen Fähigkeiten helfen können. Daraus ist die Idee zu 'Germany Says Welcome' entstanden.“

Unterstützung bei alltäglichen Problemen

Ihr Projekt entwickeln sie sowohl als App als auch als Website. Es soll dazu beitragen, dass die Flüchtlinge, die ohne große Sprachkenntnisse in Deutschland ankommen, bei alltäglichen Herausforderungen Hilfe und Orientierung finden.

David: "Eine Fahrkarte kaufen oder den Weg zur Behörde finden, das ist für sie echt schwer. Wenn du kein Wort deutsch sprichst, kannst du nicht einfach fragen. Deswegen wird es auf unserer Plattform eine Karte geben, auf der wichtige Ämter und öffentliche Internetzugänge angezeigt werden. Auf Deutsch, Englisch und Arabisch.“

Das sind Menschen wie du und ich, die nichts dafür können, was in ihrer Heimat passiert ist.

Noch vor einigen Monaten war das Thema Flucht eher eine Nachricht aus dem Fernsehen. Dass sich die Jungs jetzt engagieren, hat auch mit ihren persönlichen Erfahrungen zu tun. "Schon vor dem Projekt bin ich mit Geflüchteten ins Gespräch gekommen, erzählt David: "Die meisten waren erst sehr zurückhaltend, aber am Ende war ich überrascht, wie sehr sie sich geöffnet haben. Und beeindruckt, was sie alles auf sich genommen haben. Vor allem merkt man: Das sind Menschen wie du und ich, die nichts dafür können, was in ihrer Heimat passiert ist.“ Auch für "Germany Says Welcome“ waren diese Gespräche sehr wichtig, um die Plattform sinnvoll zu gestalten.

Karl: "Am Anfang gab es in unserem Team nur die grobe Idee einer Hilfsplattform, dann den ersten Prototypen. Als wir bei einem 'Jugend hackt'-Event in Berlin unser Projekt vorgestellt haben, waren auch junge Geflüchtete vor Ort, die uns viele Anregungen gegeben haben. Dabei wurde uns klar: Es ist vor allem das Zurechtfinden in Deutschland, das schwerfällt. Und die ganze Bürokratie. Deswegen haben wir den Prototyp im Laufe der Zeit komplett umgebaut. Die Funktionen sind jetzt so einfach wie möglich, es geht erstmal um Basiswissen. Wie fülle ich ein Formular aus? Wo bekomme ich günstige Lebensmittel?“

Helfer und Flüchtlinge vernetzen sich

Die Flüchtlingsdebatte beschäftigt uns nach wie vor sehr. Doch wie hilft man den Zuwanderern? Und wie den Helfern? Ein Weg ist es, sich digital zu vernetzen. Denn auch die meisten Flüchtenden nutzen Smartphones, um sich zu verständigen und den richtigen Weg oder Ansprechpartner zu finden. Inzwischen wurden eine Vielzahl cleverer Websites und Apps programmiert. Hier eine Auswahl:

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"Jugend hackt“ ist ein gutes Stichwort. Die Initiative lädt Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren regelmäßig zu sogenannten "Hackathons“ ein. Die ultimative Herausforderung für Programmierer: Hier wird in relativ kurzer Zeit, meist an einem Wochenende, das Grundgerüst für eine Website oder eine App entwickelt. "Germany Says Welcome“ nahm bei einem dieser Hackathons seinen Anfang. Und beim großen "Jugend hackt“-Jahrestreffen in Berlin, auf dem dann alle lokalen Teams ihre Projekte präsentieren, machte "Germany Says Welcome“ seine entscheidenden Schritte.

Jeden Monat zum Workshop 

Ich fände es gut, wenn sich noch mehr Leute in unserem Alter für Flüchtlinge engagieren würden.

Treffen des Germany Says Welcome-Teams im Dezember 2015.

"Mittlerweile wurden meine Erwartungen total übertroffen. Wir werden jetzt sogar vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert“, sagt Karl. Die Förderung sorgt dafür, dass sich das "Germany Says Welcome“-Projektteam jetzt jeden Monat zum Workshop in Köln treffen kann und mit allen relevanten Informationen versorgt wird – die Jungs können sich also voll auf das Programmieren konzentrieren.

Das ganze Team arbeitet daran, dass es richtig gut wird. Und richtig hilft. Deswegen investieren alle so viel Zeit wie möglich, und zwar neben der Schule: Roman bereitet sich gerade auf sein Abitur vor, die anderen beiden sind in der 11. Klasse. Die drei sind das, was andere Leute vielleicht Nerds nennen. Man könnte aber auch sagen: Sie haben es einfach drauf. Ihre IT-Fähigkeiten haben sich alle drei zum größten Teil selbst beigebracht. Bei den Workshops lernen sie ständig Neues dazu. Dass sie für "Germany Says Welcome“ so viel positives Feedback bekommen, darauf sind alle ziemlich stolz. Ein paar Lehrer hätten ihn schon gefragt, ob er das Projekt mal im Unterricht vorstellen könne, sagt David: "Ich fände es gut, wenn sich noch mehr Leute in unserem Alter für Flüchtlinge engagieren würden. Wenn alle Funktionen nutzbar sind und wir mitbekommen, dass sie den Menschen das Leben leichter machen – das wäre toll“. Und Roman ergänzt: "Es ist unsere Pflicht, zu helfen.“

Inzwischen gibt es die "Germany Says Welcome" App schon in Nordrhein-Westphalen und kann dort unter dem Namen "Welcome To NRW" als Android-App oder Web-App von Flüchtlingen und Helfern genutzt werden.


Mehr erfahren:

Alle Infos und Kontakte gibt es auf der offiziellen Webseite von "Germany Says Welcome"

Aktuelle News und Fotos der Teammitglieder auf der Facebookseite des Projekts.

Mehr über Hackathons und wie ihr selbst mitmachen könnt, gibt es bei der Initiative "Jugend hackt"


Text: Isabel Ehrlich

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