Engagement

Ehrenamt – warum machst du das denn?

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Paula hat nicht nur ein Ehrenamt, sondern vier – unter anderem im JAM!-Jugendbeirat. Für uns kontert sie die typischen Sprüche, die ihr immer wieder unterkommen. Angefangen mit "Warum machst du das eigentlich?“

© sör alex / photocase.de

Sich in der Freizeit engagieren statt zu entspannen. Das muss einen Grund haben. Einen ziemlich wichtigen seht ihr hier, über den Rest spricht Paula in diesem Text.

Eigentlich hat alles in der Grundschule angefangen. Hier habe ich das erste Mal von dem "Jugendrat“ gehört. Was das ist, hab ich schnell verstanden: Kinder unterschiedlicher Schulen kommen zusammen um gemeinsam Projekte in ihrem Viertel zu planen. Dass es sich hier aber schon um ein "Ehrenamt“ handelt, war mir als 7-Jährige überhaupt nicht bewusst.

Mit dem Herzen dabei sein ist wichtig – der Rest regelt sich von alleine.

Mit der Zeit nahm ich an immer mehr AGs, wie an der AG Fairer Konsum oder AG gegen Rechts, teil. Mich hat die Neugier getrieben sowie die Lust etwas aktiv mitzugestalten. Ein bisschen Mut hat es mich zuerst schon gekostet, dort hinzugehen. Überall traf ich ganz unterschiedliche Leute und vor den ganzen "Älteren“ in der Gruppe hatte ich am Anfang ganz schön Respekt. Doch vor Leuten zu sprechen und mich für meine Ideen einzusetzen, habe ich so ganz nebenbei gelernt.

Paula aus Hagen hat gerade ihre Abi-Prüfungen in der Tasche. Aber auch beim Ehrenamt gibt es Herausforderungen: Zum Beispiel vor Leuten sprechen.

Ehrenamt, schön und gut – aber kann man so wirklich was erreichen?

Einen Haken – wenn man so will – hat die ganze Sache: Die Arbeit des Jugendrates und vor allem die Möglichkeiten mitzuwirken, sind kaum bekannt. Ebenso wenig, dass wir sogar einen Kinder- und Jugendrat NRW haben, wo wir gemeinsam Ideen entwickeln, die vor Ort umgesetzt werden können und politische Themen diskutieren. Im städtischen Jugendhilfeausschuss habe ich als gewählte Vertreterin sogar Rede- und Antragsrecht, womit total viel erreicht werden kann. Wer also jetzt noch sagt, dass man als Jugendlicher nichts bewirken kann, liegt eindeutig falsch.

© Servicestelle Jugendbeteiligung e.V.

Es muss nicht immer Politik sein. Man kann mit anderen jungen Leuten auch ganz andere Dinge auf die Beine stellen.

Und wenn man sich nicht politisch engagieren will. Was dann?

Das haben eine Freundin und ich uns damals auch gefragt, während wir einen Artikel über die Freiwilligenzentrale geschrieben haben. – Dort beispielsweise kann jeder rausfinden, welches Ehrenamt am besten zu ihm passt. Aber welcher Jugendliche möchte gerne von einem älteren Erwachsenen über seine Freizeitaktivität beraten werden?! Genau deswegen haben wir das Projekt "Teens beraten Teens“ gegründet, bei dem wir als Jugendliche beraten (natürlich ehrenamtlich;-)) und schwupps, bin ich in das nächste Ehrenamt gerutscht.

Man braucht nicht den Super-Ehrenämtler, um etwas zu bewegen. Einfach anfangen!

Toll, wie du das alles schaffst. Ich könnte das nicht.

Ich denke, Ehrenamt kann jeder. Als ich angefangen habe, war mein Gedanke einfach: "Da muss man doch mal was sagen, etwas tun.“ Ich wusste auch noch gar nicht, wie genau ich mich einsetzen will. Man muss auch nicht etwas ganz Besonderes können. In der gemeinsamen Aktion findet man dann schon seine Rolle. Wichtig ist, dass man etwas bewegen will. Und sei der Anfang nur, dass man sich aufregt!

JAM!

Ginge auch: Einfach nichts machen. Aber wenn Ehrenamt = Freizeit ist, macht das Ganze auch Spaß, sagt Paula.

Der Tag hat doch nur 24 Stunden – und musst du nicht lernen?

Es kommt schon mal vor, dass ich einfach nur "chillen“ möchte. Aber dann gibt es diese Momente: Wenn sich die Kids beim Kinderschminken ganz stolz den Eltern präsentieren. Für die lohnt sich der ganze Aufwand. Und sind Entschädigung, dass man kein Geld dafür bekommt. Aber: Ins Fitnessstudio mit Freunden zu gehen macht auch Spaß und man verdient nichts dabei. Das Ehrenamt an sich sollte also vielmehr als Freizeit gesehen werden. Damit kommen wir auch schon zum letzten Punkt...

© Servicestelle Jugendbeteiligung e.V.

Paula mit ihren Kollegen im JAM! Jugendbeirat in Aktion.

Ach, das machst du doch nur für den Lebenslauf!

Bei JAM! habe ich richtig Lust, mit anderen Jugendlichen zusammen zum Thema Inklusion zu arbeiten. Die Wochenenden machen einfach Spaß mit coolen Leuten, so dass ich auch gerne mal fünf Stunden Fahrt in Kauf nehme. Mit dem Herzen dabei sein ist wichtig – der Rest regelt sich von alleine.

Ehrenamt gibt dir genauso viel zurück, wie du gibst. Und zwar Dinge, die langfristig mehr bringen als neue Schuhe, die ich mir von dem anderswo verdienten Geld hätte kaufen können.


Text: Paula Purps