Freundschaft

Durch dick und dünn, Teil 2

Schlagworte:
Freunde,
Stress,
Krankheit,
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Entscheidung,
Schule

Es sind vor allem die dünnen Zeiten, die zeigen, wie dicke eine Freundschaft wirklich ist. Wie es aussehen kann, wenn sich eine Freundschaft beweisen muss, haben wir in vier Geschichten festgehalten. Im zweiten Teil: über ein Burnout und Business unter Freundinnen.

Wenn es ernst wird: Krankheit

Mit 15 hat Greta ein Burnout, erlebt eine Art emotionale Erschöpfung. Mit ihren besten Freundinnen findet sie einen Weg, damit umzugehen..

Vor zwei Jahren sieht Greta, 17, plötzlich immer schlechter, mit jedem Tag fällt ihr das Sehen ein wenig schwerer. „Ich konnte mir das nicht erklären, sonst war ja alles in Ordnung“, sagt Greta. Nach mehreren Arztbesuchen schickt sie schließlich ein Mediziner zur Psychologin. Sie reden viel: über die Schule, über ihr Privatleben, darüber, dass sie schlecht loslassen kann. Irgendwann wird Greta klar, dass sie sich zu viel zugemutet hat, dass sie die Schule überfordert. Diagnose: Burnout, geistige und emotionale Erschöpfung.

Die darauf folgende Woche verbringt sie zu Hause. Sie ist völlig fertig, aus der Bahn geworfen. Ihre vier besten Freundinnen sorgen sich und schicken ihr eine SMS. „Ich muss mit euch reden“, kommt als Antwort. Sie trifft sich mit Klara, Sarah, Sophie und Noelle. Ohne so recht zu wissen, wo und wie sie anfangen soll, erzählt sie vom Burnout. Die Mädchen reagieren traurig, machen sich Vorwürfe: hätten sie nicht früher etwas merken müssen? Wie sollen sie jetzt mit Greta umgehen? „Greta war eigentlich immer die Starke von uns und plötzlich so verletzlich“, erinnert sich Sarah. Sie und die anderen Mädchen versuchen deshalb, mehr mit ihr zu unternehmen, mehr miteinander zu sprechen.


‘Muss sie jetzt in die Klapse?‘, war so ein blöder Kommentar

Die Burnout-Diagnose bekommt Greta im Februar, bis Mai geht sie nicht mehr zum Nachmittagsunterricht, hält sich an feste Tagespläne. In der Schule fällt es natürlich sofort auf, dass Greta fehlt. Als sie wieder zum Unterricht geht, hallen ihr von den Gängen Gerüchte entgegen: „‘Muss sie jetzt in die Klapse?‘, war so ein blöder Kommentar", erinnert sich Greta. Kaum jemand traut sich sie direkt zu fragen, was los ist.

Mit der Zeit entspannt sich die Lage, die Mädchenclique redet sehr viel miteinander. Nicht nur über das Burnout, sondern weiterhin auch über Alltägliches wie Klausuren, Noten, Jungs. Schließlich gehört zu ihrer Freundschaft auch alles Schöne: zusammen rumhängen, tuscheln und lachen. Doch statt nur zu fragen, wie es den anderen geht, lautet die Frage von da an „Wie geht es dir wirklich?“ Wenn Greta spürt, dass wieder mal ein bisschen Unbehagen in der Luft liegt, spricht sie das sofort an: "Hey Leute, sagt was!". Während das Verhältnis zwischen den fünf Freundinnen immer enger wird, verlaufen sich andere "Freundschaften". "Die, ich nenne sie mal 'Statisten', habe ich in der Zeit verloren", sagt Greta. Aber das ist ihr letztlich egal.
 


Wenn es ernst wird: eigenes Unternehmen

Mit ihren „George, Gina & Deine Mudder“-Jutebeuteln fallen die zwei Freundinnen Hanna und Inga (beide 22) von einem auf den anderen Tag in die Welt der Unternehmerinnen.

Hannas und Ingas Geschichte beginnt vor 13 Jahren mit einer Brieffreundschaft und viel Diddl-Papier. Hanna wählt Inga als Brieffreundin, weil diese angibt, sie möge Süßigkeiten. „Alle anderen Mädchen haben was über Pferde geschrieben. Ich mochte Inga schon, bevor ich sie überhaupt getroffen habe“, sagt Hanna. Heute studiert Hanna Mode- und Designmanagement, Inga Russisch und Philosophie. Hanna ist eher der konsequente Typ, Inga eher emotional. Die beiden sind gute Freundinnen und Sprücheklopfer. Das waren sie schon in Hannover, wo sie herkommen. Das waren sie auch an dem Tag, als sie sich entschlossen, den Spruch „George, Gina & Deine Mudder“ - in Anlehnung an die Schickimicki-Marke „George, Gina & Lucy“ - auf einen Jutebeutel zu malen. Bei ihrem ersten Designer-Sale erhalten sie den ersten Produktionsauftrag, die Lifestyle-Magazine berichten über das Stück, das Interesse an den Taschen steigt rasant. Die plötzliche Nachfrage übermannt die Schülerinnen, die bis spät in die Nacht an der Beutelproduktion sitzen. Sie stellen auf Messen aus, geben Interviews für Radio und Fernsehen. Außerdem gründen sie ihren Blog WE MAKE THE CAKE, um über Mode zu schreiben und ihre Beutel zu vertreiben.


Das war wie ein Rausch. Ich glaube, zu der Zeit war unsere Freundschaft am stärksten ever.

Ihre Freundschaft ist unweigerlich mit „ihrem Baby“ verknüpft, dessen Erfolg erleben sie zusammen, teilen das gute Gefühl. „Das war wie ein Rausch. Ich glaube, zu der Zeit war unsere Freundschaft am stärksten ever“, meint Hanna. Gleichzeitig wird es auch ernster: es gilt immer mehr Entscheidungen zu treffen, je mehr das Label wächst. Während die beiden anfangs noch alles gemeinsam beratschlagen, stellt sich schnell heraus, dass das auf Dauer nicht funktioniert. Fortan kümmert sich Inga um das Design und Hanna übernimmt den Part der „BWL-Tante“. Jede macht das, was sie am besten kann. Die Aufteilung entwickelt sich so nie zum Streitpunkt. Auch wie sie mit dem Geld umgehen, das sie verdienen, regeln die beiden von Anfang an. Genug gibt es für ihre Freundschaft nicht: Heute wohnen sie zusammen in Berlin.

Text: Milena Zwerenz
Illustration: Ewi Palaska


Durch Dick und Dünn, Teil 1

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