Fette Vorbilder: lauter schöne Bodys

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Bodyshaming heißt es, wenn im Netz und anderswo Körper runter gemacht werden, weil sie "irgendwie anders“ aussehen. Zum Beispiel zu dick, zu zart, zu behaart. So ein Quatsch, sagen Katrin und Lotte, sie bloggen über ihren Plus-Size-Style und den Spaß am einfach Schönsein. Und das ist übrigens gar nicht so "anders“.

© Reizende Rundungen + © Nimmersatt

Katrin und Lotte sind nur zwei von vielen Blogerinnen, die sich und ihren Style präsentieren. Auf die Kleidergröße kommt es dabei übrigens nicht immer an.

Katrins Stil ist ein bisschen punkig, ihre Outfits variieren von Leggins bis hin zu Streifenkleidern. Und diese zeigt die 25-jährige auf ihrem eigenen Blog Reizende Rundungen. Katrin ist 163 cm groß, ihre Kleidergröße liegt irgendwo zwischen 52-56. Was der Modeindustrie fehlt, bedient sie mit ihren Einträgen. "Wie soll man lernen sich selbst zu lieben und zu akzeptieren, Spaß an Mode und Spaß an seinem Körper zu haben, wenn einem täglich vorgelebt wird, dass fette Menschen unliebenswert, unattraktiv und eklig wären?“, sagt Katrin und stellt fest: "Hier gibt es kaum Vorbilder.“

© Reizende Rundungen

Katrin bloggt über Mode, Kleidergröße: egal. Auch Fat-Acceptance ist ihr Thema, damit die Kleidergröße wirklich egal wird.

Kein Wunder also, dass Katrin positives Feedback für ihre Outfits von Frauen und Mädchen bekommt, die sich durch sie inspiriert fühlen, mehr in Sachen Mode auszuprobieren. Aber auch für ihre Texte, die sich um "Fat-Acceptance“ drehen. Katrin will das zeigen, was die Werbeindustrie verschleiert: "Neben dem klitzekleinen Spektrum an Körperbildern, die uns die Mainstream-Medien bieten, gibt es noch eine ganze Menge anderer Körper“.

Wer darf im Bikini an den Strand?

Schlechte Stimmungsmache, wie einem Bauch, Beine, Po gewachsen sind, gibt es mittlerweile in alle möglichen Richtungen. Bodyshaming, Fatshaming oder Skinny Bashing heißt es, jemanden wegen seines Körpers zu beleidigen, weil er zu üppig, zu zart, zu behaart ist. Eine einfache Art, andere anzugreifen. Aber wie jede Beleidigung: absolut unnötig. Mittlerweile regen sich dagegen nicht nur Plus-Size-Models und Bloggerinnen wie Katrin. Erst kürzlich bekam eine der zahllosen Bikini-Werbungen eine Menge Gegenwind, als sie aufrief, sich bereit für den "Beach Body“ zu machen. Die einfache Antwort der Gegenkampagne, wie man strandfertig wird: "Hab einen Körper, geh an den Strand.“

Katrin:

Wie soll man lernen sich selbst zu lieben und zu akzeptieren, Spaß an Mode und Spaß an seinem Körper zu haben, wenn einem täglich vorgelebt wird, dass fette Menschen unliebenswert, unattraktiv und eklig wären?

Fett ist kein Gefühl

© Julia Lingertat / photocase.de

Den Körper verstecken oder schön optimieren - Werbung & Co vermitteln ein schwieriges Bild.

Und auch Facebook entfernte auf Druck einer international unterstützen Petition das "Fett-Emoji“. Unter dem Slogan "Fett ist kein Gefühl“ wollten die jungen Leute hinter der Aktion dafür sensibilisieren, dass es beim Ausspruch "Ich fühl mich fett“ oft gar nicht um die echte Leibesfülle geht, sondern um Menschen, die eine Essstörung haben. Das vermeintlich witzige Emoji unterstütze ein negatives Körpergefühl. Und noch etwas hatten die Aktivisten zu sagen: Fett is ein natürlicher Teil der Körpers -  wirklich ganz gleich, wie viel man wiegt.

Die eigentlich ungesunde Entwicklung ist eher, wie sehr wir andere nach ihrem Gewicht beurteilen und uns selbst auch darüber definieren. Katrin: "Wir sollten ganz dringend alle daran arbeiten, das Wort 'fett' wieder als das zu sehen, was es ist: ein Adjektiv, das äquivalent zu dick, üppig steht und nicht ein Wort, das einen Rattenschwanz aus Assoziationen wie 'hässlich', 'dumm', 'faul' hinter sich her zieht."

Als ob dicke Menschen nicht essen müssten

© Nimmersatt

"Ich bin blond, habe blaue Augen, und bin eben dick. Nicht mehr, und nicht weniger“, sagt Lotte.

Lotte, 24, aus Düsseldorf hat ihren Blog Nimmersatt genannt: Mit einer süßen Zahnlücke und positiver Ausstrahlung lächelt sie einem dort direkt entgegen. Auf ihrem Blog tummeln sich Mode, Ausflugstipps, aber auch viele Rezepte von Currywurst bis Kaiserschmarrn – alles mit wenigen Kohlenhydraten. "Früher habe ich mich manchmal geschämt, wenn ich in der Öffentlichkeit gegessen habe. Aber was für ein Quatsch: als ob dicke Menschen nicht essen müssten, nur weil sie dick sind?!“, schmunzelt Lotte. Das Bloggen hat ihr geholfen, mehr zu zeigen, wer sie ist und manchmal auch wie sie isst. Das Thema springt einem bei ihr nicht direkt an, sondern winkt nur lässig von der Seite. "Hin und wieder denke ich: Du wirkst zu angepasst. Du trägst 46+ und thematisierst es nur ganz leise.“ Andererseits geht es auch genau darum, dass es nicht immer Thema sein muss – da auch das Bild vom modischen Mädchen nicht unbedingt von der Konfektionsgröße abhängt. "Ich kann nun sagen 'Ich bin dick' und schweige es nicht tot. Ich bin blond, habe blaue Augen, und bin eben dick. Nicht mehr, und nicht weniger.“

Sind dicke Models die Lösung?

Neben Katrin und Lotte gibt es mittlerweile viele Blogs, Instagram- und Twitter-Kanäle, um der Körper-Realität Herr zu werden. Was in der Werbeindustrie mit Photoshop fleißig dazu- und wegretuschiert wird, funktioniert unverfälscht ebenso gut. Dabei lautet die Lösung nicht, permanent Kurven zu feiern oder sich nur an schlanke Linien zu klammern. Es ist viel mehr die akute Trennung zwischen dick und dünn oder auch perfekt und "allen anderen“ die unsere Wahrnehmung vermint. Katrin fasst das ganz gut zusammen: "Ich denke nicht, dass alle Models dicker sein sollen. Viel wichtiger fände ich es, wenn wir viel mehr Unterschiede auf den Laufstegen, in Webshops, Lookbooks und der Werbung sehen würden. Dabei geht es nicht nur um dick oder dünn, sondern auch um Alter, Hautfarbe, Geschlecht oder Behinderungen.“ Sie möchte einfach nur echte Menschen sehen. Denn auch die können richtig gute Vorbilder sein. Weil sie sind wie sie sind.


Text: Milena Zwerenz

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