Was ist schön? – Eine Frage der Perspektive

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Fotografin Anna und JAM!-Autorin Amelie haben sich einen Tag auf die Suche nach der Schönheit gemacht – und sie gefunden. Und das nicht nur auf den Fotos...

Hallo Dortmund – Wow, Anna!

10:00 Uhr
Anna: Als ich an diesem Morgen aufwache, ist mein erster Gedanke – geil, die Sonne scheint! Wir können draußen Bilder machen.

13:00 Uhr
Amelie: Dortmund – hier treffe ich Anna und ihren Assistenten Bene. Wow, ist sie klein, schießt es mir kurz durch den Kopf – und dass ich eigentlich kaum etwas über Menschen weiß, die kleinwüchsig sind. Natürlich trage ausgerechnet heute Stiefeletten mit Absätzen, wird mir unangenehm bewusst. Doch Anna ist kein bisschen unsicher, sie begrüßt mich mit breitem Grinsen und voller, dunkler Stimme. Los geht's zur ersten Location: dem Tremoniapark.

Anna: Amelie strahlt, als sie mir entgegen kommt. Als sie auf mich zugeht, fallen mir direkt ihre schier unendlich langen Beine auf! Wow! Und schon sind wir mitten im Gespräch über alles Mögliche. Das ist übrigens auch fürs Fotografieren wichtig, damit man nicht das Gefühl hat, eine Fremde vor sich zu haben. Auch ich bin gleich weniger nervös.

Im Park – Bäume umarmen

13:30 Uhr
Amelie: Jetzt stehe ich also hier, mitten in der Kälte, zwischen einigen Birken. Die ersten Minuten fühle ich mich ziemlich unwohl, wie ich da am Stamm posiere. Aber Witze über Menschen, die Bäume umarmen, lockern meine Stimmung auf. Und das Frieren hat sich gelohnt!, merke ich beim Durchsehen der Fotos. Dabei fällt Anna noch auf, dass mir die überbelichteten Bilder am besten gefallen. Genau die, die einen ebenmäßigen, „romantischen“ Teint schaffen.

Anna: Während ich auf meine Leiter steige, um Amelie auf Augenhöhe zu begegnen, nimmt sie bereits die erste Pose ein. Superschnell haben wir das erste Set geknippst. Dann wird's unangenehm für mich: ich muss vor die Kamera. Richtig wohl fühle ich mich bei sowas nie, lieber stehe ich hinter der Linse. Ich zupfe an meiner Kleidung und bevor ich noch über meine Augenringe nachdenken kann, gibt mir Amelie schon erste Anweisungen.

14.15 Uhr
Amelie:
Erst erscheint es mir irgendwie falsch, mich hinzuknien, doch Anna weist darauf hin, dass der Fotograf und Model immer auf gleicher Höhe sein sollten. Sie erzählt, wie sie als kleines Mädchen immer fasziniert davon war, wie anders die Dinge aussähen, wenn man sie durch die Linse einer Kamera betrachtet.

15:00 Uhr
Anna: Schönheit – was ist das überhaupt? Das ist eigentlich die entscheidende Frage des Tages, die wir uns schließlich trauen, uns gegenseitig zu stellen. Dabei fällt uns auf, dass wir Schönheit mit Sympathie verbinden. Sympathische Menschen, egal ob Fremde oder Freunde, gefallen uns mehr. Während Amelie es wichtig findet, dass sie jemanden „gut riechen“ kann, lass ich mich gerne von schönen Augen faszinieren.

Amelie: Jeder Mensch hat etwas Schönes an sich, sagt Anna. Ihrer Meinung nach hat Schönheit viel mit Stimmung zu tun. Ein fröhlicher Mensch wirkt schöner als ein niedergeschlagener – so wie ein Tag mit Sonnenschein schöner ist als einer mit Nieselregen.


Im Studio – Was mag ich an mir?

17:00 Uhr
Amelie: Normalerweise lächele ich immer auf Fotos, weil mir mein Gesicht sonst irgendwie schief vorkommt. Außerdem habe ich meiner Meinung nach eine Schokoladenseite, auf der meine Haare schöner fallen. Beides liegt aber wahrscheinlich daran, dass man sich selbst im Spiegel immer spiegelverkehrt und „andersherum“ sieht. Mein Plan für diesen Tag war also: ein schönes Foto hinkriegen, auf dem ich nicht lächele und mir trotzdem nicht „schief“ vorkomme.

17:30 Uhr
Anna: Endlich werde auch ich lockerer vor der Kamera. Obwohl es bereits viele Bilder mit einem ähnlichen Lächeln von mir gibt, ist es mein persönlicher Garant dafür, dass ich mit den Aufnahmen selber zufrieden bin. Warum ist man eigentlich so unglaublich kritisch mit sich selbst? ;)

Amelie: Was findest du schön an dir? Es ist ein komisches Gefühl, darüber so offen zu sprechen und sich selbst in Szene zu setzen, irgendwie sehr persönlich. Anna sagt selbstbewusst, dass sie ihr Lächeln mag, das Tattoo auf ihrem Unterarm und ihre Haare. Auch wenn es sich zuerst seltsam nah anfühlt, genau diese Bilder von mir, die ganz am Schluss entstehen, finde ich am schönsten von allen.
 

19:00 Uhr
Anna: Bevor Amelie sich auf den Heimweg macht, fliegen wir beide noch einmal durch alle Fotos. Dabei fällt mir auf, dass Amelie die untypischen Bilder von ihr am meisten gefallen. Jetzt nur noch die Daten sichern! Zufrieden schnappe ich mir mein Leiterchen und fahre mit einem Lächeln nach Hause.


Anna, 27 Jahre, Fotografin

® Sarah Rauch

Anna sagt von sich selbst, dass sie Lichtperfektionistin ist. Für das richtige Bild geht sie überall hin. Manchmal hilft der 1,25 großen Fotografin dabei auch eine Trittleiter, immer aber das Auge fürs echte Strahlen.

Amelie, 18 Jahre, Schülerin

Psychologie studieren ist Amelies Traum – nicht Model sein. Psychologie spielt immerhin beim Thema Schönheit eine Rolle: Wen wir gut riechen können, darüber entscheidet auch unser Gehirn und gibt uns so Partnertipps.

 


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Schöner knipsen

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Text: Amelie Conrad, Anna Spindelndreier
Fotos: Anna Spindelndreier