Gemeinsam auf'm Platz

Schlagworte:
Sport,
Vorurteile,
Umfrage

Es ist legendär: 1989 erhielt die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft für den Gewinn der Europameisterschaft ein Kaffeeservice. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, dennoch nölen Männer: Frauenfußball sei langweilig. Fußball Männersache. Die Mädchen und Jungs, die beim BSV Grün-Weiß Neukölln spielen, kennen die Vorurteile um ihren Lieblingssport. Ist ihnen aber egal.

© fraueva / photocase.de

Auf dem Vereinsgelände in Berlin-Neukölln trainieren Mädchen und Jungen, Männer und Frauen. Alle Altersgruppen, Kulturen, Religionen stehen gemeinsam auf dem Rasen. Was anderswo vielleicht ungewöhnlich scheint, ist hier ganz normal. Fünf Kickerinnen und Kicker haben uns erzählt, was ihnen der Sport bedeutet. Was sie von Frauenfußball halten und wie es ist zusammen zu spielen.

Elisabeth Kendzia

11 Jahre - 1. D-Juniorinnen - Position: Mittelfeld

Ich bin schneller als viele Jungs in meinem Alter.

Vor allem bei den Junior-Mannschaften habe ich den Vorteil, dass ich ziemlich schnell laufen kann. Wenn mein Gegner einen Fehler macht, dann ist vor allem Schnelligkeit gefragt. In der Schule spielen wir oft in gemischten Teams. Früher haben viele Jungs in der Klasse noch geglaubt, dass sie grundsätzlich sportlicher wären als Mädchen. Heute zähle ich schon zu den ersten, die beim Fußball ins Team gewählt werden. Mädchen können, dürfen und sollen genauso Fußball spielen wie Jungen. Wir haben schließlich dieselben Rechte. Und immer mehr Mädchen bekommen Lust auf Fußball. In der Schule haben wir gerade eine Mädchen-Fußball-AG gegründet.

Atakan Canbaz

13 Jahre - 1. C-Junioren - Position: Mittelfeld

Es zählt der Wille, die Technik, der Teamgeist.

Jungs sind meistens lauter und setzen sich deshalb durch. Das merkt man auch im Stadion. Ins Stadion gehen auch bisher eher die Männer als die Frauen. Die wollen vielleicht mehr Action. Vielleicht sind sie aggressiver. Dabei gehören solche Gefühle eigentlich nicht zum Fußball.
Kann schon sein, dass Männer vom Körperbau her mehr leisten können als Frauen. In der Schule kommt es manchmal vor, dass die Jungs nicht mit den Mädchen zusammen spielen wollen. Oder dass im gemischten Team die Jungs nur zu den Jungs spielen, weil sie glauben, dass das Mädchen gleich den Ball verliert. Aber beim Fußball zählt nicht nur Kraft. Es zählt vor allem der Wille, die Technik, der Teamgeist.

Alaa Charaf

14 Jahre - 1. B-Juniorinnen - Position: Mittelfeld

 Mein Vater meinte zuerst, ich solle doch rhythmische Sportgymnastik machen.

Es gibt viele Mädchen, die gern Fußball spielen würden, aber es nicht dürfen. Weil es die Familie nicht erlaubt. Meist spielen die dann zu Hause und nicht im Verein. Wir hatten hier aber auch schon Mädchen, die langärmlig und mit Kopftuch trainiert haben. Auch mein Vater meinte zuerst, ich solle doch lieber rhythmische Sportgymnastik machen oder so. Darauf hatte ich aber keine Lust. Ich meinte nur: "Nein, danke." Und habe mich bei Grün-Weiß angemeldet. Ich habe drei ältere Brüder. Von denen habe ich Fußball spielen gelernt. Und dass man sich manchmal einfach durchsetzen muss.

Luca Woost

12 Jahre - 1. C-Junioren - Position: Tor

Frauenfußball braucht noch ein paar Jahre.

Ich glaube, der Frauenfußball braucht noch ein paar Jahre, bis er so beliebt ist wie Männerfußball. Es hat weniger Tradition, und er wird bis jetzt viel weniger beworben. Das muss aufgeholt werden, dann kommen sicher auch die Zuschauer. Bis jetzt gucken sich die Leute ja eher irgendein Spiel aus der 3. Liga an, aber wissen gar nicht, wenn die Frauen eine WM spielen.

Phuong-Vi Tran

12 Jahre - 1. D-Juniorinnen - Position: Sturm

Bei FIFA 16 kann man schon Frauenfußball zocken.

Der Frauenfußball entwickelt sich immer weiter. Das hat man gerade bei der WM in Kanada gesehen. Es kommen immer mehr Leute in die Stadien. Und auch das Fernsehen zeigt mehr. Es wird immer normaler, dass Mädchen Fußball mögen. Bei FIFA 16 kann man ja inzwischen auch schon Frauenfußball zocken. Ich bin jetzt ein halbes Jahr im Verein. In der Klasse haben sich ein paar Leute gewundert, warum ich als Mädchen zum Fußball gehe und nicht tanze oder so. Aber Fußball macht mir mehr Spaß. Außerdem hat man gleich einen besseren Draht zu den Jungs, weil es dann viel mehr Themen gibt, über die man sich unterhalten kann.

Gemeinsam in der  B-Jugend, alleine Weltmeister

Bis zur B-Jugend, also bis zum Alter von maximal 17 Jahren, dürfen Mädchen und Jungen zusammen spielen, sagen die Regeln des Deutschen Fußball-Bundes. Früher ergaben sich solche Mix-Mannschaften oft aus der Not heraus: In kleinen Vereinen auf dem Dorf kamen oft nicht genügend Mädchen für eine eigene Mannschaft zusammen. Mittlerweile ist es auch vom DFB gewollt, dass Jungs und Mädchen so lange wie möglich zusammenspielen. Auch Nationalspielerin Melanie Leupolz hat wie viele ihrer Teamkolleginnen lange in gemischten Teams gespielt: "Wenn wir uns heute wieder sehen, höre ich öfters, dass sie mich gerne noch in ihrer Mannschaft hätten."

Text und Fotos: Philipp Brandstädter


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