Freundschaft

Kommst du oder gehst du?

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Manche Freundschaften sind für immer, andere halten nur bis zur nächsten großen Pause. Verändert sich Freundschaft im Laufe des Lebens? Und welche Freundschaften bleiben ein Leben lang? Laura Gehlhaar über zwei Freundschaften und darüber, wie geteilte Erinnerungen verbinden.

Wie aus einem Zettel Freundschaft wurde

„Da Caro nicht mehr meine Freundin ist, wollte ich fragen, ob du jetzt meine beste Freundin sein willst“, schrieb ich auf einen kleinen Zettel, fügte die Antwortkästchen „Ja“, „Nein“, „Vielleicht“ hinzu und schob ihn weiter die Tischreihe runter. Kurz vor dem Gong in die große Pause kam der Zettel mit der Antwort wieder zurück. „Ja“ hatte Anna angekreuzt und besiegelte somit unsere Freundschaft in der fünften Klasse.

Die Freundschaft mit Caro endete schnell und dramatisch. Schuld war Nick aus der 5c. Wenn man in denselben Jungen verliebt war, gab es Krieg, gnadenlosen Konkurrenzkampf und die Freundschaft wurde sofort beendet. Erst als am Ende der sechsten Klasse herauskam, dass Nick schon immer in Diana verliebt war, haben Caro und ich wieder miteinander geredet. Denn Hass verbindet. Zu diesem Zeitpunkt war die Freundschaft zwischen Anna und mir allerdings schon so dick, dass sich weder Caro, noch irgendein anderer Junge hätte zwischen uns drängen können. Wir trugen die gleichen Klamotten, schwänzten die gleichen Fächer und waren uns einig, dass Robbie Williams der heißeste von Take That war.

Wie die meisten Freundschaften in meiner Schulzeit, begann auch die Freundschaft mit Anna durch die einfache Entscheidung, ab jetzt beste Freundinnen zu sein. Der Rest, den eine Freundschaft ausmacht, wie Vertrauen und/oder Liebe, wuchs erst dadurch, dass wir uns täglich in der Schule sahen und natürlich durch die unzähligen Verabredungen nach der Schule am Nachmittag.

Gemeinsam in eine Klasse zu gehen, war die beste Voraussetzung für eine Freundschaft. Schnell entwickelte man ein ‚Wir-Gefühl’ und Freundschaften waren da vorprogrammiert. Wir saßen im gleichen Boot. Und das hieß Schule.

Die Freundschaft zwischen Anna und mir hielt genau so lange, bis Anna dieses Boot verließ und nach der 10. Klasse eine Ausbildung anfing. Dadurch entwickelten wir uns in verschiedene berufliche und private Richtungen.

In der Oberstufe wurden die Karten schließlich neu gemischt. Man saß plötzlich neben Leuten, die man zuvor nur flüchtig aus der Parallelklasse kannte. In der Oberstufe wurde man irgendwie erwachsen. Jedenfalls dachten wir das damals. Wir paukten für´s Abi und die Lehrer fingen an, uns zu siezen. Wir machten den Führerschein und auf einmal war ich mit Oliver aus der ehemaligen 5b zusammen. Ein neues ‚Wir-Gefühl’ entstand und ich ging neue Freundschaften ein, die noch bis heute anhalten.

Wie die Freundschaft zur Uni kam - und noch weiter

cc-by-sa 2.0 Niels Linneberg/flickr

Mein Studium wollte ich im Ausland machen. Ich wollte in einer anderen Kultur leben und eine neue Sprache lernen. Ich wollte ans andere Ende der Welt, weit weg von Zuhause - ich ging in die Niederlande. Eine Autostunde von meinem Elternhaus entfernt. Und trotzdem musste ich eine neue Sprache lernen. Im Sprachkurs, nur zwei Reihen vor mir, saß Lisa und sprach, wie ich, der Lehrerin nach: Kunt U mij zeggen, waar het postkantoor zit, alstublieft?“* Schnell kamen Lisa und ich ins Gespräch und entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Wir besuchten die gleichen Trashkonzerte, teilten den schwarzen Humor und waren uns einig, dass wir Robbie Williams nach seinem Ausstieg von Take That extrem doof fanden.

Eine weitere Gemeinsamkeit war, dass wir beide anfingen Sozialpädagogik zu studieren. Während ich in der Schule noch gezwungen wurde, irgendwelche chemischen Formeln zu lernen oder ätzende Kurvendiskussionen über mich ergehen lassen musste, konnte ich mir mein Studium selbst aussuchen. Das machte mir Mut und motivierte mich. Und genau diese Motivation, sich freiwillig für ein gemeinsames Studium zu entscheiden, hatte Lisa und mich von Anfang an zusammengeschweißt. Man verfolgte ein gemeinsames Ziel – den erfolgreichen Abschluss des Studiums.

Wir schmiedeten gemeinsame Zukunftspläne, die, anders als in der Schulzeit, sogar realistisch waren. Unsere erste Reise, ohne nervige Eltern, haben wir zusammen erlebt. Lisa wollte nach dem Studium mit ihrem Freund zusammenziehen und wohnt noch heute mit ihm zusammen. Ich wollte nach Neuseeland, vermasselte aber meine allerletzte Prüfung und landete in Berlin. Dort lebe ich heute noch und bin sehr glücklich.

Unser Ziel haben wir erreicht. Vor fünf Jahren haben wir unser Studium abgeschlossen. Dass unsere Freundschaft aber weit über dieses Ziel hinausging, erleben wir bis zum heutigen Tag.

Es hat uns nie wirklich Kraft gekostet, unsere Freundschaft nach dem Studium aufrechtzuerhalten. Auch die Tatsache, dass wir in unterschiedlichen Teilen Deutschlands leben, tut unserer emotionalen Nähe nicht weh. Im Gegenteil. Gemeinsam lachen und weinen wir über unsere vergangenen Jahre, regen uns noch immer über bestimmte Professoren auf und erneuern alljährlich den Schwur, niemals unseren Eltern gewisse Details aus unserem ersten gemeinsamen Urlaub zu erzählen.

Freunde sind eine gute Sache. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Freundschaften aus den unterschiedlichsten Situationen und Motivationen heraus entstehen und auseinander gehen können. Der Wert einer Freundschaft hat sich allerdings nie verändert. Mit jeder Freundin und jedem Freund teilt man Erfahrungen, die genau in dem Moment eines besagten Lebensabschnitts für einen selbst wichtig sind. Und je mehr Erfahrungen man in einer Freundschaft sammelt, desto mehr Erinnerungen kann man später miteinander teilen. Ganz egal, wie alt man ist.

Text: Laura Gehlhaar - bloggt außerdem über das Großstadtleben und das Rollstuhlfahren

 

*„Können Sie mir bitte sagen, wo die Poststation ist?“



Warum gehen Freundschaften auseinander? Um was geht es dabei?

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