Benjamin Piwko - gehörloser Kampfsportler

Schlagworte:
Leben,
Behinderung,
Sport,
Inklusion

Benjamins Gehörlosigkeit hat ihn nicht daran gehindert, den schwarzen Gürtel in Kung Fu zu machen, selbst Kampfsportlehrer zu werden, einen eigenen Kampfkunststil zu entwickeln... ach, und beim Film und Fernsehen ist er übrigens auch.

Benjamin Piwko hat den Schwarzen Gürtel – aber das ist längst nicht alles. In seiner eigenen Schule in Hamburg trainiert er Kinder und Erwachsene, hörende und gehörlose heute in "Wun Boxing Thai Style Self-Defense", kurz WBT Defence. Einen Kampfkunststil, den er selbst entwickelt hat, mit Einflüssen ganz unterschiedlicher Kampfkünste und Selbstverteidigungstechniken" Kampfsport ist für mich wie eine Kommunikation ohne Worte. Hier kann ich mich auspowern, Stress abbauen und mein inneres Gleichgewicht halten. Außerdem stärkt Kampfsport das Selbstvertrauen und -bewusstsein“, erklärt Benjamin.

"Man braucht keine Worte, wenn man die Schritte und Techniken sehen kann“

Benjamin selbst kann, seit er acht Monate alt ist, aufgrund einer Virusinfektion nicht mehr hören, hat aber als Kind, zusammen mit einer darauf ausgerichteten Lehrerin, gelernt zu sprechen. Über die Jahre hat er sich zudem das Lippenlesen beigebracht. So kann er sich auch gut ohne Gebärdensprache unterhalten. Gesten helfen zusätzlich. Mit dem Kampfsport hat er mit sechs Jahren angefangen. "Meine Mama hat mich zum Judo geschickt. Ich wusste damals nicht mal, was Judo ist", erinnert er sich. Am Anfang fiel ihm das Training schwer, die anderen Kinder und Lehrer gaben ihm kein gutes Gefühl. Der Sport machte ihm jedoch Spaß, er wollte härter trainieren. Mit zehn Jahren wechselte er zum Aikido, einer japanischen Kampfkunst, später zum Kung Fu. Das meiste Können hat er sich selbst erarbeitet. "Ich konnte die Lehrer nicht verstehen, aber mir reichte es, die Bewegungen abzulesen. Man braucht keine Worte, wenn man die Schritte und Techniken sehen kann".

Seit damals begleitet ihn der Kampfsport durch sein Leben. Während er die Schule beendet, während er eine Ausbildung zum Tischler macht, während er Stuntmen und Choreograph für Film und Fernsehen wird. Die Liste der Kampfsportarten, die Benjamin schon ausprobiert hat, lässt sich mittlerweile noch um Thaiboxing bis hin zu Boxing erweitern: "Verschiedene Kampfsportarten zu lernen, ist so wie verschiedene Musikrichtungen zu hören oder verschiedene Sprachen zu lernen", beschreibt Benjamin seinen Sport. Mit Mitte Zwanzig entschließt er sich schließlich, seine Kung-Fu-Fähigkeiten noch weiter zu vertiefen, fliegt nach Hawaii zu Großmeister Al Dascascos, macht dort seinen Schwarzen Gürtel und wird selbst Lehrer. Heute hat er nicht nur seine eigene Schule WBT Defence, sondern betreut auch Workshops überall auf der Welt. 

"Ich will ein Vorbild sein und mein Wissen weitergeben"

Benjamin Piwko mit seinem Tatort Schauspieler-Kollegen Devid Striesow

Beim Unterrichten spricht er mit der Stimme, den Händen und den Augen. Benjamin geht es in seinem Training vor allem darum, Spaß am Sport zu wecken. Er setzt es aber auch gekonnt ein, um Kindern, die aggressiv sind oder Probleme im Alltag haben, spielerisch zu helfen. Seine eigene Geschichte spielt da mit rein: "Ich will ihnen ein Vorbild sein und mein Wissen weitergeben." Falls ihr euch fragt, warum euch Benjamin vielleicht bekannt vorkommen könnte: Er ist auch Schauspieler. 2015 hat er als erster gehörloser Schauspieler eine Hauptrolle im Tatort übernommen. 
Benjamin im Web auf Instagram


Text: Milena Zwerenz
Fotos: Brigitte S. Werner / Fotos aus dem USA Photograph: Veronica Miller Piwko

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.