Blindes Ballett

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Fernanda Bianchini unterrichtet seit 20 Jahren Menschen mit und ohne Sehbehinderung im Ballett. Und natürlich nicht vor einem Glasspiegel, sondern vor allem durch Berührungen und Bewegungen, die häufig wiederholt werden.

Mitten in der größten Stadt Brasiliens, in São Paulo, hat Fernanda Bianchini, 37, ihre Ballettschule. Das Besondere: Sie unterrichtet nicht etwa streng vor einem Glasspiegel, sondern vor allem durch Berührungen und Bewegungen. Denn unter ihren 200 Schülerinnen sind vor allem blinde Mädchen, Menschen mit anderen Behinderungen sowie Studierende ohne Behinderung. Auch sie tanzen hier manchmal mit Augenbinden. Von Kinder ab drei Jahren bis hin zu älteren Menschen, kann hier jeder Ballett lernen.

Tanzen - mehr als ein Gefühl


Fernanda ist in ihre Aufgabe durch einen Zufall geschlittert, als sie vor über 20 Jahren von der Blindenschule Institute of the Blind Father Chico in São Paulo gefragt wurde, ob sie die Schüler im klassischen Ballett unterrichten könne. Die Kinder sollten durch Tanz motiviert werden. Seitdem hat Fernanda ihre Unterrichtsmethode ständig weiter entwickelt und hunderte blinder Mädchen unterrichtet. Ihre Lernmethode nennt sie „künstlerische Sensibilität“.

© Angela Rezé

Eine Ballettstunde bei ihr sieht nicht so aus, wie man es aus Tanzfilmen kennt. Die Schülerinnen berühren die Körper der Lehrer, um deren Tanzbewegungen zu fühlen und versuchen sie mit ihrem eigenen Körper nachzumachen.

Außerdem kommen im Unterricht allerlei Gegenstände zum Einsatz. So helfen etwa Hula Hoops, Bälle und Bretter zum Balancieren dabei, Haltung, Gleichgewicht, Drehungen und Pirouetten zu erlernen. Auf ihrem eigenen YouTube-Channel kann man ihr bei der Arbeit zuschauen.

"Ich war schon kurz vorm Aufgeben"

Die Armhaltung einer Ballerina bringt Fernanda ihren Schülerinnen durch – kein Scherz – das Halten von Palmenblätter bei: „Ich hatte große Schwierigkeiten damit, ihnen die weiche Armhaltung einer Ballerina beim Tanzen zu vermitteln. Ich war schon kurz vorm Aufgeben. Eines Nachts träumte ich dann davon, ich würde ohne Arme tanzen. Meine Arme waren stattdessen zwei Palmenblätter. Denn wenn der Wind durch ein Palmenblatt weht, bekommt man genau die Bewegung, die eine Ballerina beim Tanzen haben muss“.

Über die Zeit hat sie immer mehr über das Unterrichten gelernt. „Mit vielen Fehlern und Erfolgen“, wie sie sagt. Sie liebt ihre Arbeit und hat dafür bereits zahlreiche Auszeichnungen bekommen. „Wer weiß, vielleicht wählen ja auch ein paar meiner Schülerinnen Ballet als ihren Beruf“, träumt sie.


Text: Milena Zwerenz

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