Maike Schnittger, blinde Schwimmerin: Ein Ziel vor Augen

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Maike ist fast blind, hat aber ein klares Ziel vor Augen: An der ersten "Wold Para Swimming World Series“ teilzunehmen! "Schwimmen ist genau das, was ich immer machen wollte!“ Und das tut sie, seit sie fünf Jahre alt ist. Dabei kassiert sie jede Menge Medaillen.

Seit Maike fünf Jahre alt ist verbringt sie einen großen Teil ihrer Zeit im Schwimmbecken, "infiziert“ durch die Schwimmer- und Wasserballergene ihrer Eltern, wie sie es nennt: "Schwimmen ist genau das, was ich immer machen wollte". Und das tut sie: und wie! Medaillen-Kostprobe gefällig? Bronze über 50 Meter Freistil bei der WM 2014, Silber bei den Paralympischen Spielen in Rio 2016 – bei Maike zu Hause hängen bereits so einige Medaillen, die sie über die Jahre erschwommen hat. Die Zielgerade oder die Gegnerinnen auf den Nachbarbahnen sieht sie dabei nicht – Maike ist fast blind.

Von klein auf erfolgreich – auch ohne Augenlicht

Als sie noch jünger ist, schwimmt sie erfolgreich im Landeskader Nordrhein-Westfalen (NRW), doch schon in der Grundschule merkt sie, dass etwas mit ihren Augen nicht stimmt. Sie kann die Tafel plötzlich nicht mehr gut erkennen. Der Augenarzt stellt die Diagnose "Zapfendystrophie“, was in Maikes Fall grob gesagt bedeutet, dass sich ihr Sehen immer weiter verschlechtert. Etwa ein halbes Jahr später stellt der Arzt bei Maike nur noch ein Restsehvermögen von etwa 10 Prozent fest. Das hat nicht nur Einfluss auf ihren Alltag, sondern auch auf den Sport. Plötzlich kann sie sich nur noch schwer auf der Trainingsbahn orientieren, die Starts missglücken ihr immer häufiger.

Schließlich nimmt sie ihr Papa mit zu einem Schwimmwettkampf des DBS (Deutscher Behindertensportverband). Maike, die anfangs noch etwas skeptisch ist, bleibt und fährt bald zum ersten Mal mit dem paralympischen Schwimmteam NRW ins Trainingslager mit. Um sich im Wasser zurechtzufinden, legt sie sich ein paar Tricks zu: "Ich orientiere mich mit der Schulter an der Leine und versuche durch mein restliches Sehvermögen links außen die Orientierung zu behalten. Die Wende ist und bleibt Glückssache und erfordert eine schnelle Reaktion." Mittlerweile kann man Maike fast schon als alten Hasen im Schwimmbusiness bezeichnen, so erfolgreich ist sie bei den folgenden Europa- und Weltmeisterschaften sowie Paralympischen Spielen.

© privat

Bundespräsident Joachim Gauck ehrt Maike Schnittger und andere Medaillengewinner von Rio 2016 mit dem Silbernen Lorbeerblatt in Berlin

"Ich habe ein Ziel vor Augen"

Interessant zu wissen: Im paralympischen Sport wird nicht in Jahrgängen oder der offenen Klasse, sondern in Startklassen geschwommen. Maikes aktuelle Startklasse heißt S12. Hier konkurrieren Athleten mit einem Sehvermögen von maximal 3 Prozent miteinander: "Ich habe ein Restsehvermögen von etwa 1,5 Prozent. Das ist vergleichbar, wie wenn man beide Hände zu Fäusten ballt und diese vor seine Augen hält. Außen bleibt noch ein kleiner Rand, mit dem ich sehen kann.“ Ihr Laptop und ihr Handy hat sie deshalb ständig griffbereit, um an all das heran zu zoomen, was ihr sonst verborgen bliebe.

Zurzeit studiert Maike Psychologie in Potsdam – hat aber schon das nächste große sportliche Ziel im Kopf. Dieses Jahr will sie an der ersten "World Para Swimming World Series" teilnehmen: "Es mag für viele Menschen nicht zu verstehen sein, warum man jeden Tag aufs Neue Arbeit investiert und sich stundenlangen Quälereien aussetzt, aber ich habe ein Ziel vor Augen, Spaß am Sport und die Liebe zum Schwimmen. Dadurch fällt es mir leicht."


Text: Milena Zwerenz

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