Mit Rollstuhl auf dem Longboard

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Es gibt unzählige Sportarten, die man mit dem Rollstuhl machen kann. Erik Kondo war das nicht genug, er hat sich seine eigene gebastelt.

Falls ihr noch nie von "Wheelchairboarding“ gehört habt, keine Sorge. Erik Kondo, 51, aus Massachussetts in den USA, hat den Begriff selbst entwickelt. Er beschreibt damit "Aktivitäten, bei denen man einen Rollstuhl dafür benutzt, irgendeine Art Board, zum Beispiel ein Longboard, ein Skateboard oder Snowboard, zu kontrollieren“. Erik etwa fährt seit zwei Jahren mit seinem Rollstuhl Longboard.

Nachdem er längere Zeit nach einer Aktivität gesucht hatte, bei der es vor allem ums Gleichgewicht geht, konnte er für Rollifahrer nicht wirklich etwas finden, das ihn wirklich begeisterte. Zunächst probierte er, auf einem schmalen Brett zu balancieren, aber so wirklich aufregend fand er das nicht. Es fehlte Geschwindigkeit und Bewegung. Dann sah er das Video eines Rollstuhlfahrers auf dem Longboard – Antonio, den wir hier auch vorstellen –, was nach einer Menge Spaß aussah.

Erik Kondo auf seinem Rollstuhl-Longboard:


"Am Anfang hatte ich echt keine Ahnung, was ich da eigentlich mache, keine Erfahrung, niemanden, der mir Anweisungen geben konnte.“

© Edward Boches

Er baute prompt ein normales Longboard so um, dass er darauf fahren konnte. Die Rollschienen, die die Räder des Rollstuhls blockieren, bastelte er für weniger als 200 Dollar. Los ging’s. "Am Anfang hatte ich echt keine Ahnung, was ich da eigentlich mache, keine Erfahrung, niemanden, der mir Anweisungen geben konnte“, erinnert sich Erik. Er wusste weder, wie er seitwärts fahren sollte, noch, wie man anhält oder langsamer fährt. Sobald er sein Gleichgewicht verlor, landete er mit seinem Rollstuhl auf dem Boden. Um überhaupt auf das Longboard zu kommen, musste er lange üben. So konnte er anfangs nur geradeaus fahren. Irgendwann merkte er, dass das Ganze erst mit einem elektrischen Motor wirklich interessant sein würde und machte sich wieder ans Basteln. Das Ergebnis nennt er "E-Wheelie“, das erste elektrische Longboard, angepasst für Rollstuhlfahrer. Mit seiner neuesten Version kann er über 30 km/h fahren und fast 25 Kilometer weit. Weil das nicht ungefährlich ist, zieht er beim Fahren immer brav Helm und Schoner an. Die Räder des E-Wheelie sind extra groß, um auch über unebene Stellen, Gras und Bürgersteige rollen zu können.

Erik mag vor allem, wie mobil er mit seinem Longboard ist – und dass es sich so gar nicht wie klassisches Rollstuhlfahren anfühlt. "Anders als etwa beim Handfahrrad fahren, kann ich locker mit Fahrradfahrern Schritt halten, ohne dass ich mich besonders anstrengen muss“, meint er. Das Praktischste ist aber: Egal, wohin er mit dem E-Wheelie fährt, er hat seinen Rollstuhl immer dabei. Eines Tages will er mit dem E-Wheelie eine Tour durch die Niederlande machen.


Text: Milena Zwerenz

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