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„Vielleicht hat mich sogar 50 Cent weitergebracht“

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Interview,
Vorbilder

Das Teesy ins Rapgame einsteigt, konnte früher keiner ahnen. Eigentlich stand er auf Michael Ballack und Fußball. Noten lesen? Fehlanzeige. Aber dann kamen 50 Cent, Frank Sinatra, ein kleiner Lehramts-Umweg, ein fetter Bundesvision Song Contest und ne Tour mit Cro. Gut so! Aber wie ist das passiert?

© Florian Böhm

JAM!: Hallo Teesy, Sturmzeit, Fernweh, Glücksrezepte – deine Titel klingen ganz schön romantisch. Ist es vorbildlich, Gefühle zu zeigen?

Vielen ist das nicht geheuer und zu kitschig. Aber für mich sind es Gefühle, die das Leben so lebenswert machen. Für Emotionalität muss man sich nicht schämen! Es zeugt von Stärke, wenn man sie zeigen kann. Und wenn jeder ehrlich zu sich ist, dann mag man doch die Momente am liebsten, die einen emotional bewegen.

Du machst Raop mit R’n’B-Einflüssen …

​Raop macht nur einer: Cro! Ich mache eine Mischung aus Hip-Hop und R’n’B – ich weiß gar nicht, ob es dafür einen Namen gibt. Ich mag viele Musikstile. Wenn das Lied geil ist, ist mir die Musikrichtung egal. Früher war ich intoleranter, was das angeht.

Tausende voll geschriebene Textblöcke

Du hast mit 15 angefangen zu rappen. Wer war dein Idol?
50 Cent – Er war der erste Rapper, mit dem ich in Berührung gekommen bin. Ich habe ihm nachgeeifert, dieselben Klamotten getragen – dicke Hose, Mütze falsch rum aufgesetzt – und  so gerappt wie er – mit denselben Geschichten, obwohl ich ganz anders aufgewachsen bin, schön behütet.

Trotzdem war er dein Vorbild.

Menschlich gesehen und aus heutiger Sicht ist das Quatsch. Was 50 Cent erlebt hat, kenne ich nicht einmal im Ansatz. Wahrscheinlich war es gerade das, was mich so fasziniert hat.

Folgt man manchmal auch falschen Vorbildern?

Er war kein falsches Vorbild für mich. Ich habe nicht angefangen rumzuspinnen und Drogen zu nehmen. Es ging vor allem um die Musik: Ich hatte einen Computer, ein Headset und tausende von Blöcken, die ich mit Texten vollgeschrieben habe. Vielleicht hat mich 50 Cent sogar ein stückweit weitergebracht. 

Inwiefern?

Er war ganz unten, hatte einen Traum und wollte viel Geld verdienen – das hat er  geschafft, indem er immer dran geblieben ist. Im Grunde ist es das gewesen, was mich fasziniert hat, nicht aufzugeben, bis der Traum in Erfüllung geht.

Hundert Prozent Fußballer und fast Lehrer

Erstmal hast du was "Ordentliches" gemacht: Lehramt auf Bachelor studiert. Welche Eigenschaft schätzt du an einem Lehrer?

Menschlichkeit. Unser Musiklehrer hat sich um uns gekümmert und darauf geachtet, dass er als Lehrer nicht über uns steht, sondern wir auf Augenhöhe sind. Sollte ich jemals Lehrer werden, würde ich versuchen, das zu übernehmen. Bei dem ganzen Ehrgeiz und dem Gelerne, sollten Lehrer Werte wie Freundlichkeit, Höflichkeit und Respekt nicht vergessen.

Im Ernst: Du wolltest Lehrer werden?

Ich bin sehr gerne in die Schule gegangen. Es gab nicht viele Lehrer, die mich restlos überzeugt haben, aber den Lehrerberuf habe ich mir immer als sehr schön vorgestellt. Es war das einzige, was ich mir neben der Musik vorstellen konnte: Vor Leuten zu stehen und denen etwas zu vermitteln.

Du hast Deutsch und Sport studiert. Warum nicht Musik?

Sport war schon immer mein Ding. Besonders Fußball – Michael Ballack war früher mein Held! Ich habe viel trainiert und war im DFB-Förderprogramm. Aber der Grund, warum ich nicht Musik studiert habe: Ich kann keine Noten lesen! Und auch kein Instrument spielen – ich bin autodidaktisch unterwegs und habe mir Klavierspielen und Singen selbst beigebracht. In der Theorie bin ich, was Musik angeht, nicht begabt.
 

© Makera.de

Ich persönlich brauche Vorbilder, um mich an ihnen zu orientieren. Ich finde aber auch, dass man sie nicht zu ernst nehmen und sein eigenes Leben leben sollte, statt das eines anderen zu imitieren.

Millionen auf dem Konto und total normal?

In der Praxis geht es bei dir karrieremäßig gerade ziemlich ab. Hast du Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren?

Angst nicht, eher Respekt. Was passiert mit einem, wenn man Millionen auf dem Konto hat und sich seine Wünsche erfüllen kann? Vielleicht ist das gar nicht so erstrebenswert, im Gegenteil, eher belastend. Weil man dann gar keine Träume mehr hat. Darüber mache ich mir Gedanken. Vielleicht gewöhnt man sich mit der Zeit daran, berühmt zu sein. Vermutlich ist es irgendwann normal und nichts Besonderes mehr.

Du warst mit Cro zusammen auf Deutschland-Tour. Wirkt er denn abgehoben?

Er hat alles erreicht in Deutschland, lebt aber total normal. Ich weiß, wo und wie er wohnt und was er so macht – alles ganz normal. Klar, ist er beschäftigt. Als Person ist er noch so wie er vor zwei, drei Jahren war. Vielleicht etwas selbstsicherer, auch etwas abgeklärter und reifer. Man wächst an seinen Aufgaben …

Reichen Aufgaben oder braucht man jemanden, an dem man sich orientiert? 

Vorbilder sind okay, aber man sollte sich selbst nicht vergessen! Ich persönlich brauche Vorbilder, um mich an ihnen zu orientieren. Ich finde aber auch, dass man sie nicht zu ernst nehmen und sein eigenes Leben leben sollte, statt das eines anderen zu imitieren. Irgendwann lernt man, sich selber zu schätzen, weiß, was man an sich hat. 

Wie kriegt man das hin?

Indem man sich selbst akzeptiert, so wie man ist, mit den Karten spielt, die man gekriegt hat und damit das bestmögliche Spiel spielt.


© Makera.de

Teesy

Teesy wurde 1990 als Toni Mudack in Ostberlin geboren. Als Kind hörte er mit der Oma Frank Sinatra-Platten, später faszinierten ihn Alicia Keys, Usher oder 50 Cent. Heute inspirieren ihn Max Herre, James Bay oder Cros Raop – mit dem Panda-Rapper tourte er bereits durch Deutschland. In seinen Songs singt Teesy romantisch von roten Rosen, aber hält sich auch den Spiegel vor wie im Song "Generation Maybe".


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