Frag mich mal! Die Mädchen/Jungen-Statistik

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Wir greifen voll rein in die Vorurteils-Tüte: Mädels sind 24/7 mit Quatschen und Shoppen beschäftigt, während Jungs nur prollend an der Konsole daddeln. Was glaubt eigentlich die Statistik, was  "Typisch Mädchen“ und "Typisch Junge“ ist – wir haben genau hingeschaut.

© Chrissie Salz

Brave Mädchen, faule Jungs: Mal drüber schlafen

Schon gewusst? Du alte Penntüte schläfst gut neuneinhalb Stunden am Tag. Wenn du ein Junge bist, dann sogar drei Minuten länger. Dafür brauchst du aber auch eine Viertelstunde weniger im Bad. Ein Mädchen nimmt sich dort 50 Minuten Zeit, um sich schick zu machen - das sagt zumindest das Statistische Bundesamt. Es hat untersucht, womit wir so unsere Zeit rumkriegen. Wenn du ein typisches Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren bist, hilfst du demnach nach der Schule und den Hausaufgaben im Haushalt. Aufräumen, Kochen, Einkaufen. Ganze 20 Minuten länger als ein gleichaltriger Junge!

Und was machen die Jungs in der ganzen Zeit, die Mädchen in der Küche verbringen? Na, spielen. 2,5 Stunden täglich. Eine Stunde länger als Mädchen. Klar, dass Männer bei so viel Übung Fußballweltmeister werden und Frauen super kochen können, oder? Fragt sich nur, was WM-Torschützenkönigin Célia Šaši oder Starkoch Tim Mälzer in ihrer Freizeit gemacht haben...

Schreibmuffel und Mathenieten: selbstgemachte Wahrheiten

© Chrissie Salz

So könnte er aussehen der typische Junge: steht total auf Mathe, Löwen und Games zocken. Und sein Berufswunsch? Klar: Polizist. Er müsste dann allerdings auch Lukas oder Jan heißen.

Wer meint, am Geschlecht zu erkennen, was jemand mag, gut oder weniger gut kann, macht es sich einfach. Typisch Mädchen, typisch Junge: totaler Quatsch. Oder doch nicht? In der Schule machen Jungen tatsächlich lieber Mathe und Sport, Mädchen lieber Kunst und Sprachen. Das haben jedenfalls mehrere hundert Schüler der "medizini" gesagt. Vielleicht, weil Mädchen im Durchschnitt besser schreiben und Jungs besser rechnen können, wenn man den jüngsten PISA-Studien und OECD-Bildungsberichten glaubt. Aber woran liegt das? Am Hirnschmalz? An angeborenen Talenten?

Hm... Das liegt wahrscheinlich auch an den Vorurteilen selbst. Es stimmt, dass ein Junge durchschnittlich besser bei einer Mathe-Aufgabe abschneidet. Dabei begeistern sich in der Grundschule noch beide Geschlechter gleichermaßen für Zahlenspiele. Eine Erklärung hierfür könnte die so genannte "Self-fulfilling Prophecy" sein, die sich selbst erfüllende Voraussage. Weil Mädchen in der Schule immer wieder zu hören kriegen, dass Jungs in Mathe besser sind, trauen sie sich beim Rechnen oft weniger zu.

Verdammt unterschiedlich: Lass uns drüber reden

Dass Mädchen mehr auf Sprachen stehen, hat vielleicht damit zu tun, dass sie sich mehr mit ihren Mitmenschen beschäftigen?Das Statistische Bundesamt hat herausgefunden: Das typische Mädchen plaudert 44 Minuten täglich, der typische Junge nur 30. Reden ist schließlich auch ganz praktisch, wenn man sich untereinander kennen lernen will. Hier geht es mit den Missverständnissen allerdings ganz fix. Nach einer Umfrage unter amerikanischen Jugendlichen bemühen sich Jungs nämlich um Respekt, Erfolg und gutes Aussehen, um in der Frauenwelt zu punkten. Besonders, wenn sie sich selbst eine attraktive Freundin wünschen. Blöd nur, dass es Mädchen eher wichtig ist, wenn ein Junge auch Gefühle zeigen kann und etwas zu sagen hat. 

Typisch Umfrage!

© Chrissie Salz

Traumjob Friseurin oder Schauspielerin und Handys sind für Mädchen nur Selfie-Maschinen? Apropos Friseurjob: bei unserer Zusammenstellung haben wir alle natürlich übertrieben über einen Kamm geschert.

Umfragen sind echt praktisch. Will man etwas über eine große Gruppe Menschen erfahren, reicht es manchmal, eine kleinere "repräsentative“ Gruppe zu befragen. Deren Antworten stehen dann stellvertretend für alle. Und so lassen sich Aussagen über dich treffen, ohne dass man dich jemals selbst gefragt hat. Vor allem die Hersteller lieben Umfragen. Sie wollen wissen, wofür sich Jungen und Mädchen interessieren und vor allem: was sie kaufen wollen. Auf welche Werbung sie anspringen und ob es clever ist, ein Smartphone nur für Mädels oder Jungs auf den Markt zu bringen.

Dabei haben Marktforscher herausgefunden: Mädchen und Jungs stehen beide gleichermaßen auf Elektronik. Jede/r hat ein Handy, fast jede/r einen Laptop. Fast die Hälfte aller Jugendlichen hat eine Glotze im eigenen Zimmer. Allerdings werden die Geräte ganz unterschiedlich genutzt: So gucken Jungs vor allem ProSieben, Mädchen vor allem RTL und RTLII. Jungs benutzen ihr Smartphone, um Videos zu gucken und Spiele zu zocken. Mädchen machen damit Selfies und chatten.

Wie? Du bist ein Mädchen und stehst Null auf RTL II? Stimmt. Umfragen können nämlich auch ganz schön tricky sein, manches spitzen sie zu. So ergeben sich auch komische Ergebnisse, wie etwa bei den Erhebungen über Körpermaße, Gewicht, Gesundheit, Konsumverhalten und so weiter und so fort. Bei der riesigen Menge an Fragen und Antworten kann man nicht erwarten, einen in allen Belangen typischen Typen zu ermitteln.

Lukas und Anna, die Durchschnittstypen

Laut Umfragen würde der typische Junge dann nämlich Lukas oder Jan heißen und 1,80 m groß sein. Er würde Löwen toll finden, am liebsten Eminem hören und Polizist werden wollen. Das typische Mädchen hieße Anna oder Marie, wäre 1,68 m groß, würde Pferde lieben, nur Rihanna hören und Friseurin oder Schauspielerin werden wollen. Der typische Junge und das typische Mädchen würden sich nur bei der Wahl ihrer Lieblingsfarbe einig werden: Beide mögen blau.

Vielleicht liegt es sogar ein wenig am vielen Suchen nach den Unterschieden, was den Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ausmacht. Die Frage ist, ob es sich jetzt lohnt, ganz in Blau mit Löwen-Pulli oder Rihanna-Fanbook auf die nächste Party zu gehen, um "typisch“ zu sein. Oder ob du vielleicht einfach du selbst bleibst.


Text: Philipp Brandstädter
Illustrationen: Chrissie Salz

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