Verändern

Was geht? Was kommt?

Schlagworte:
Zukunft,
Mut

Seinen Traum leben, das wollen alle. Und damit am besten nicht nur Geld verdienen, sondern die Welt von morgen verändern. Ob als Musiker, Schauspieler oder Schriftsteller – viele Stars haben ihren Traumjob schon gefunden. Bloß wie? Hatten sie einen Plan von ihrem Leben? Wie stellten sie sich ihre Zukunft vor und was wollen sie noch erreichen? JAM! hat sich die Lebensläufe von vier Berühmtheiten einmal genauer angeschaut.

@ Benjamin Lebert, @ WDR/Thomas Brill, © cinemafestival/Shutterstock.com, © cc-by-2.0 Russell Watkins/flickr, Collage

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 Emma Watson, Schauspielerin

Sie denken vielleicht, wer ist dieses ,Harry Potter’-Mädchen? Alles, was ich weiß, ist, dass mir diese Angelegenheit wichtig ist und dass ich etwas verbessern will. Wenn nicht ich, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann?“

Emma Watson alias Hermine Granger, die einstige weibliche Heldin der „Harry Potter“-Saga, macht sich auch im echten Leben stark gegen Ungerechtigkeiten. Emmas Vision von der Zukunft: Gleiche Rechte für Mädchen und Frauen – eine Herzensangelegenheit der Schauspielerin. Dafür setzt sie sich als UN-Sonderbotschafterin mit ihrer feministischen Kampagne „HeForShe“ ein. Kein Land der Welt könne bislang behaupten, eine Gleichberechtigung der Geschlechter erreicht zu haben, behauptet die mittlerweile 24-Jährige in ihrer ersten Ansprache vor den Vereinten Nationen. O-Ton aus Emmas Rede: „Je mehr ich über den Feminismus spreche, desto mehr merke ich, dass der Kampf für Frauenrechte zu einem Synonym für Männer-Hass geworden ist.“

Um nicht nur auf Starsein und Film reduziert zu sein, hatte sich die Schauspielerin stets eine kleine Auszeit genommen und so nebenbei eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin gemacht und sogar ein Studium abgeschlossen. Nach ihrem Bachelor in Englischer Literatur ist es für Emma Zeit für eine neue Herausforderung. „Sowohl Männer als auch Frauen sollten sensibel sein dürfen. Sowohl Männer als auch Frauen sollten sich stark fühlen dürfen“.


© WDR/Thomas Brill , WDR

Cro, Musiker und Produzent:

Ich merke zwar, dass ich gerade erwachsen werde, aber so ganz habe ich es noch nicht verstanden. Um ein typisch Erwachsener zu werden dauert es noch ein bisschen bei mir. Vielleicht werde ich es auch nie. Job, Familie, Kinder und ‚Jungs, ich komme heute nicht mehr feiern’ – dafür bin ich noch lange nicht bereit.

Cro kennt jeder. Denn der Typ mit der Pandamaske ist einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands, hat 2014 gleich zwei Awards bei der 1Live Krone abgesahnt: „Melodie“ als bestes Album, „Traum“ als beste Single. „Talentiertes Wunderkind mit ’ner Brise Glück und ’nem übertrieben freshen Team am Start“, beschrieb sich der fast 25-Jährige in einem Interview. Um seine Identität macht Cro ein Geheimnis, um seinen Erfolg nicht: „Ich mache, was ich will – und das ist der Grund, weshalb es funktioniert“, so der Rapper und Musikproduzent, der eigentlich Carlo Waibel heißt und den Keller seiner Mutter in einem Provinznest in Schwaben als Ohrwurmschmiede nutzt. Schon mit 13 nahm er erste Songs auf, hatte mit 19 sein erstes Mixtape am Start und stellte es als kostenlosen Download ins Netz. „Andere reden nur, aber man muss die Dinge anpacken, das ist das Wichtigste. Nicht überlegen, einfach abdrücken.“

Carlo, der nach der Realschule eine Ausbildung zum Mediengestalter machte und Cartoonist bei einer Stuttgarter Tageszeitung war, designt nebenbei auch noch Klamotten. Mittlerweile besitzt Cro mit VIO VIO sein eigenes Label. Selbermachen ist Cros Stärke! Egal ob Beats, Texte, Aufnahme, Mixen oder eben Mode – er zieht sein eigenes Ding durch. Auch in Zukunft.

Wer glaubt, Cro sei da angekommen, wo er als Jugendlicher sein wollte, kennt den Typ hinter der Maske schlecht. Das Gefühl hat der kreative Kopf nämlich nicht. „Obwohl ich genau das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe“. Zu den Dingen, die er in naher Zukunft unbedingt machen will, gehört die ganze Welt zu bereisen. Wenn er damit fertig ist, läuft die ferne Zukunft unter dem Motto: „Mein Haus, meine Frau, meine Kinder, mein See.“


© Benjamin Lebert, http://benjaminlebert.de/download-bilder-biographie

Benjamin Lebert, Schriftsteller:

In der kürzesten Zeit von einem ‚Versager’ sozusagen zu einem Held zu werden, ist schwierig, auch für das Selbstbild. Besonders mit 15. Als ich in der Schule war, war ich eher ein Außenseiter und die Lehrer haben gesagt, dass aus mir nichts wird, weil ich so schlecht war.

Schon früh stand für Benjamin Lebert fest: Wenn er groß ist, will er Batman werden. „Er hat wie ich auch zwei Seiten: Er setzt sich für das Gute ein, hat aber auch etwas sehr Dunkles an sich. Das fasziniert mich bis heute.“ Dass sein Traumberuf unrealistisch ist, hat er schnell gemerkt. „Aus vielen anderen Gründen auch, aber vornehmlich aufgrund meiner Behinderung“, sagt der Literaturheld, der von Geburt an linksseitig gelähmt ist, im Interview mit To4ka-Treff.

Doch mit 12 Jahren entdeckt Benjamin sein wahres Talent: das Schreiben! Am Anfang waren es Geschichten über Monster. Später wurden aus Monstern Gefühle. „Man hat auch in sich viele Ungeheuer“, weiß Benjamin und schreibt als 15-Jähriger über das, was ihn beschäftigt: vorzeitiger Samenerguss, erster Sex, schwierige Eltern und Erwachsenwerden – „Crazy“, sein erster Bestseller, über eine Million mal verkauft, in über 30 Sprachen übersetzt! Für zwei Monate wird er nach New York eingeladen, wo er Kurse für Creative Writing gibt.

Einen Schulabschluss? Hat Benjamin zu dem Zeitpunkt nicht – Schulabbruch in der 9. Klasse. „Die Lehrer haben gesagt, dass aus mir nichts wird, weil ich so schlecht war“, erinnert sich der mittlerweile 32-Jährige, der mit 20 Jahren beschloss, seinen Hauptschulabschluss nachzuholen. Crazy? Benjamin: „Ich fand, das gehört zu meinem Leben dazu, mit Straßenpunks in einer Hauptschulklasse zu sitzen.“ Mit einem Durchschnitt von 1,3 schaffte er seinen Abschluss und zählt heute zu den erfolgreichsten Schriftstellern Deutschlands.


© cc-by-2.0 Russell Watkins/flickr, https://www.flickr.com/photos/dfid/14714344864/

Malala Yousafzai, Aktivistin und jüngste Friedensnobelpreisträgerin:

Ich würde Waffen von der Erde verschwinden lassen. Sie haben noch nie etwas Gutes hervorgebracht. Du kannst Terrorismus nicht mit Panzern und Pistolen bekämpfen, sondern nur mit Wissen.

Auf ihrem Schulweg sollte Malala Yousafzai getötet werden. Kämpfer der Taliban schossen der 15-jährigen Schülerin in den Kopf. Weil Mädchen in Pakistan nicht in die Schule gehen dürfen. Malala ging trotzdem. Und sie bloggte über den schwierigen Alltag und ihr Leben unter dem Terrorregime. Darum sollte sie sterben.

Doch Malala überlebt. „Auf dem linken Ohr bin ich taub. Aber mit dem Hörgerät geht es ganz gut“, sagt die mittlerweile 17-Jährige, deren linken Gesichtshälfte zum Teil noch gelähmt ist. „Am Anfang konnte ich nicht mehr lächeln. Ein Mundwinkel ging hoch, der andere nicht.“

Aber deswegen aufhören, sich verstecken? Niemals. Einschüchtern lässt sich Malala nicht und kämpft mutig weiter für das Recht auf Bildung für alle. „Ich habe Schulen gesehen, wo es keine Bücher gibt, keine Toiletten. Manchmal waren nicht einmal Lehrer da. So viele Kinder kämpfen dafür, zur Schule gehen zu dürfen. Sie träumen nicht von einer Xbox, sie wünschen sich Stifte und Bücher. Ich kämpfe dafür, dass jedes Kind auf der Welt zur Schule gehen kann und darf.“

Für ihren Mut und ihren Einsatz wurde Malala 2014 mit dem Friedensnobelpreis geehrt; sie ist die jüngste Nobelpreisträgerin aller Zeiten und hat große Pläne für ihre Zukunft: „Eines Tages will ich die Premierministerin Pakistans sein.“
 


Text: Anja Schimanke