"Ich liebe den Speed und das Adrenalin im Körper"

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Fünf Fragen an… eine Rennfahrerin. Susie Wolff ist Testfahrerin bei der Formel 1. Von 0 auf 200 km/h in 5 Sekunden, 300 km/h – das ist ihr Ding.

© Williams Martini Racing

Autos sind Männersache. Susie Wolff kann darüber nur den Kopf schütteln, beziehungsweise aufs Gaspedal drücken: Sie ist Testfahrerin bei der Formel 1. Von 0 auf 200 km/h in 5 Sekunden, 300 km/h – das ist ihr Ding. Sie ist die erste Testfahrerin seit 1992 und hat ein Ziel: die erste Frau zu sein, die bei einer Formel 1-Weltmeisterschaft mitfährt!

Ich bin schon als achtjähriges Mädchen bei Kart-Rennen gefahren und habe damals heutige Formel-1-Piloten wie Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Kimi Raikkönen geschlagen.

© Williams Martini Racing

Hallo Susie, Jungs und Autos – Mädchen und Barbies: Was denkst du über solche Schubladen?

Es gibt auch Mädchen, die Pferde oder Barbies mögen und solche, die eben lieber Autorennen schauen oder auch beides. Ich bin schon als achtjähriges Mädchen bei Kart-Rennen gefahren und habe damals heutige Formel-1-Piloten wie Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Kimi Raikkönen geschlagen. Ich bin nicht nur ins Cockpit gestiegen, um zu beweisen, wie gut sich eine Frau auf der Rennstrecke gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen kann. Ich musste manchmal vielleicht doppelt so viel kämpfen wie es vielleicht ein Mann hätte machen müssen, um  Respekt zu bekommen. Aber ich habe gezeigt, dass ich keine Diva bin oder ein Marketingspielzeug und werde respektiert. Dein Charakter definiert dich mehr als dein Geschlecht.

© Williams Martini Racing

Wenn es nach Rennsport-Boss Bernie Ecclestone geht, ist es aber ein schwieriges Berufsfeld für eine Frau: "Auch wenn sie gut genug ist, wird sie keine Gelegenheit dazu haben, es auch zu zeigen“, hat er einmal gesagt. Du willst es trotzdem oder gerade deshalb schaffen?


Die Formel 1 ist hart für jeden Fahrer – aber es gibt keinen Grund, dass Frauen nicht auch in der Formel 1 erfolgreich sein können. Alles, was wir brauchen, ist eine Chance, um zu beweisen, dass es möglich ist, sich mit den Männern auf der Rennstrecke zu messen. Derzeit gibt es keine Frau als Stammfahrerin.

Was glaubst du, woran es liegt? Was ist das Problem?

Selbst wenn sich junge Mädchen für Rennsport interessieren und vielleicht selbst Kart fahren, dann sehen sie sonntags bei den Rennen kein Beispiel dafür, dass sie es selbst bis nach ganz oben schaffen können. Junge Sportler und Sportlerinnen brauchen Vorbilder, aber junge Rennfahrerinnen können sich derzeit nur an Männern orientieren. Das Schwierige an der Formel1 ist ja, dass es so wenige Möglichkeiten gibt, hineinzukommen, aber so viele talentierte Fahrer.

Du wusstest schon mit 13, dass Rennfahrerin dein Traumjob sein wird: Was haben deine Eltern dazu gesagt?

Meine Eltern haben einen kleinen Motorrad-Shop in Schottland. Ich bekam mein erstes Motorrad, als ich zwei Jahre alt war, mit sechs saß ich im Kart, mit acht stand ich bei meinem ersten Rennen am Start. Es war einfach meine Leidenschaft. Ich liebe den Speed, mir gefällt das Adrenalin im Körper, das ich spüre, wenn ich Rennen fahre.

 

Glaubst du, dass die Formel 1 ein Männer-Business bleibt – oder holen Frauen auf?

Die Formel 1 ist nach wie vor eine Männer-Domäne, aber das ändert sich momentan auf sehr natürliche und positive Weise. Mein Boss bei Williams Martini Racing ist eine Frau und auch einige unserer Ingenieure und andere im Team sind weiblich. Ich habe nicht mehr das Gefühl, nur von Männern umgeben zu sein.

© Williams Martini Racing

Steckbrief von Susie Wolff

Susi Wolff wurde am Nikolaustag 1982 in Schottland geboren und lebt heute in der Schweiz. Bezug zu schnellen Reifen und Maschinen hat sie quasi von Geburt an, da ihre Eltern eine Motorrad-Werkstatt besitzen. Schon als Jugendliche startete sie ihre eigene Motorsportkarriere als Kartfahrerin und gewann reihenweise ihre Rennen. Nach einigen Titel als „Britische Kartfahrerin des Jahres“, kam 2000 der nächste Step: Sie wurde beste Kartfahrerin der Welt und wechselte in die Formel 3. Der Durchbruch gelingt ihr 2012: Sie wird Entwicklungsfahrerin bei Williams F1, dann Testfahrerin. Zwei Jahre später konnte sich Susie Wolff für den Grand Prix von Großbritannien und Deutschland qualifizieren – als erste Frau nach 22 Jahren!

Hier geht's zur Seite von Susie Wolff.


Text: Anja Schimanke


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