Verändern

Verändern, aber wie?

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Noch keine rechte Idee, was man anpacken soll, damit sich die Welt ein bisschen anders weiterdreht? Macht nichts, denn wir haben uns mal umgeschaut, wie große und kleine Bewegungen angefangen haben. Unser Tipp: Verändern geht auch anders.
 

public domain, USIA

Durch...Nichtstun

Oder einfach mal sitzen bleiben – so wie Rosa Parks: Sie weigerte sich, ihren Platz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Und wurde dafür 1955 im US-Bundestaat Alabama verhaftet. Denn sie hatte damit gegen ein Gesetz verstoßen. Damals gab es noch Schulen, Parkbänke, Aufzüge getrennt für „Weiße“ oder für „Farbige“. Auch im Bus waren die vorderen Reihen für Weiße reserviert. Und genau dagegen wehrte sich die couragierte Afroamerikanerin. Ihr Mut gibt der schwarzen Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King ordentlich Auftrieb, die zehn Jahre später das Ende der Rassentrennung erreichen sollte.

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Erdem Gündüz ist Tänzer, Künstler und Choreograph. Am 17. Juni 2013 wird auf dem Taksim Platz in Istanbul zu einem stehenden Zeichen für viele: Gegen Gewalt.

Manchmal ist es auch die „Stopp-Taste“, die das Zeichen setzt: 2013 eskaliert die Situation auf dem Taksim Platz in Istanbul. Proteste demonstrierender Türken werden gewaltsam von der Polizei beendet. Dann steht ein Mann auf dem Platz, die Hände in den Taschen, regungslos, unauffällig. Acht Stunden lang. Bevor die Polizei das Zeichen von Erdem Gündüz als stillen Protest begreift, haben sich ihm schon längst Dutzende Leute angeschlossen. Sie bleiben mit ihm stehen – und machen so auf die Situation auf dem Taksim Platz aufmerksam.

Tipp: Es muss nicht immer die lautstarke Demonstration sein. Wer etwas ändern will, braucht keine Waffen, keine Macht. Man braucht Mut. Mut beweisen schon diejenigen, die zeigen, dass sie da sind.


cc-by-sa/Bundesarchiv,Bild183-1990-0205-027/Kluge, Wolfgang/

Durch...Gemeinschaft

Wer Menschen mobil macht, hat eine lautere Stimme. So wie Christian Führer, der 1982 Friedensgebete gegen das Wettrüsten im Kalten Krieg organisiert. Den Chefs der DDR passt das mal gar nicht, was der Leipziger Pfarrer da im Schutz seiner Kirche ins Rollen bringt. Wie? Meinungsfreiheit? Aber Führer gewinnt die Bürger für sich: "Nikolaikirche – offen für alle" ist die Losung, die bald am Kirchentor hängt. Auf die Gebete folgen die Montagsdemos, auch in anderen Städten wächst eine echte Bewegung heran. Einige Jahre später, 1989, gehen Hunderttausende im ganzen Land auf die Straße, um gegen die politischen Verhältnisse zu demonstrieren. Die friedliche Revolution in der DDR ist nicht mehr aufzuhalten.

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Online vernetzt, genauso wie auf dem Platz: Occupy Wall Street heißt die Bewegung, die im Herbst 2011 knapp zwei Monate im New Yorker Finanzdistrikt demonstrierte.

Heute schließen sich die Leute einfach im Internet zusammen. Die Occupy-Bewegung verbindet den Protest auf der Straße mit dem Online-Aktivismus. Wie etwa auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise 2011, als 1000 Menschen vor der New Yorker Börse eine Sitzblockade bilden, damit das Zocken der Banken ein Ende hat. Die sanfte Methode wählen Plattformen wie Change.org oder Openpetition.com: hier kann man mit seiner Unterschriften Aufmerksamkeit erregen, sowohl mit der Petitionen gegen den Abriss des Indie-Clubs, als auch mit internationalen Aufrufen, die Menschenrechte zu schützen. Eine der größten Online-Bürgerbewegungen ist Avaaz: Sie will Missstände sichtbar machen und Politiker von Fehlentscheidungen abhalten. Avaaz sammelt Geld für Opfer von Naturkatastrophen oder organisiert Unterschriften-Aktionen: gegen den Klimawandel, gegen Korruption, Armut und Gewalt. Weltweit haben schon 25 Millionen Leute unterschrieben.

Tipp: Protest-Bewegungen zeigen immer wieder, dass Menschen in der Gemeinschaft besonders stark sind. Vielleicht erfährst du im Netz noch mehr darüber, wo sich etwas bewegen lässt – und mit wem. Zusammen lässt sich manchmal doch etwas verändern, was zuerst unmöglich scheint.


IWM Non Commercial Licence, Imperial War Museums

Durch...Tollpatschigkeit

An alle, die noch mit der Motivation kämpfen: Aus Versehen die Welt verändern geht auch! Ein berühmtes Beispiel ist Alexander Fleming. Der schottische Wissenschaftler wollte nur noch fix ein paar Bakterien in der Schale züchten und dann ab in die Sommerferien. Doch als er aus dem Urlaub kommt, stellt er fest: Die Bakterien sind alle hinüber. Verschimmelt. Weil Fleming ein Fenster auf Kipp gelassen hat, konnten sich Sporen im Labor breit machen. Da geht dem Forscher ein Licht auf. Aus den Schimmelpilzen gewinnt er Penicillin – ein Medikament, das bis heute vor vielen gefährlichen Krankheiten schützt. Ganz nebenbei quasi holte er sich für seine Entdeckung 1945 auch noch den Nobelpreis ab.

© picture-alliance, JAM

Das hatte Günter Schabowski nicht kommen sehen. Nachdem ihm auf der Pressekonferenz ein Sätzchen rausgerutscht war, stürmen noch am selben Abend die DDR-Bürger die deutsch-deutsche Grenze.

Der eine vergisst das Fenster, der andere verquasselt sich. Wie am 9. November 1989 in Ost-Berlin. Dort gibt Günter Schabowski, Vertreter der DDR-Regierung, eine Pressekonferenz für ein neues Reisegesetz: „Privatreisen ins Ausland... blabla…Visa zur ständigen Ausreise...“. Wie jetzt? Die DDR-Bürger dürfen plötzlich das Land verlassen? Einfach so? Die Journalisten schauen sich ungläubig an. Schabowski guckt auf seinen Zettel und stammelt: „Das trifft nach meiner Kenntnis... ist das sofort, hm, unverzüglich.“ Eigentlich sollte die Nachricht aber erst am nächsten Tag verkündet werden. Und so stürmen die Leute noch am selben Abend in Massen an die Grenzübergänge. Die Mauer fällt, Deutschland ist wieder vereint.

Tipp: Wenn bei dir mal wieder etwas schief läuft, dann ärgere dich nicht. Man weiß ja nie, was die Zukunft noch bringen kann. Und wie aus vermeintlich kleinen Sachen große Geschichten werden.


public domain, teslasociety.com

Durch...eine Vision

Nikola Tesla ist so eine Art B-Star der Erfinder, der zu Lebzeiten nie wirklich im Rampenlicht stand. Als Magier der Elektrizität versetzte er Ende des 19. Jahrhunderts die Leute mit Elektro-Shows und seinen Tesla-Blitzen in Staunen. Aber das war nicht alles. Selbst wenn heute die meisten glauben, das elektrische Zeitalter sei Thomas Edison zu verdanken - Tesla war früher dran. Marconi hat das Radio erfunden? Nope, es war Tesla. Sogar die Röntgen-Strahlen soll er ein Jahr früher erfunden haben als ihr Namensgeber Wilhelm Röntgen. Und das Neonlicht und den Radar, die Mikrowelle, den Wechselstrom, den Elektromotor und gut 700 weitere Patente. Tesla hat die Welt revolutioniert. Reich und berühmt wurde er nie.

© The Ocean Cleanup

Der Müll muss weg - das wurde Boyan Slat bei einem Tauchurlaub in Griechenland klar. Für sein Projekt gegen den Schrott im Meer hat er mittlerweile 2,2 Millionen Dollar per Crowdfunding gesammelt.

Vielleicht gelingt das ja Boyan Slat. Der 19-Jährige arbeitet an einer genial einfachen Methode, um die Meere von den Unmengen an Plastik zu befreien. Denn der Schrott ist gefährlich: Er sammelt sich durch die Strömungen zu gigantischen Plastikinseln an, die langsam zu kleinen Teilchen zermahlen auch von Fischen gefressen werden - die am Ende auf dem Teller landen. Boyans Slats Idee: Mit riesigen Trichtern will er den Müll aus dem Meer fischen und recyceln lassen. Sein Prototyp  funktioniert. Zwei Millionen Dollar hat er schon gesammelt, um das Projekt umzusetzen. 2020 soll die erste Anlage fertig sein.

Tipp: Mit etwas Grips kann man die Welt vermutlich am besten verändern. Denn gute Ideen kann jeder gebrauchen. Der Fortschritt versetzt Berge, manchmal macht er auch reich und berühmt.


Text: Philipp Brandstädter